Beginn Inhaltsbereich

Beginn Navigator

Ende Navigator

Drucken     


Die 4 Grundregeln

Welche Orte sind zu erhalten und welche Gebäude zu schützen? Die Meinung dazu hat sich in den letzten fünfzig Jahren bei Bewohnerinnen und Bewohnern, Fachstellen und Behörden gewandelt. Früher wurden nur mittelalterliche Stadtkerne als wertvolle Ortsbilder wahrgenommen und vor allem Schlösser, Kirchen oder ein Stadttor unter Schutz gestellt; die Denkmäler eben. Heute – und dazu hat das ISOS seinen Teil beigetragen – können auch ländliche Siedlungen, Weiler und Dörfer nationale Bedeutung haben und in den Städten werden ausser dem Kern auch Quartiere aus dem 19. und 20. Jh. mit Hilfe der Denkmalpflege renoviert und restauriert.

Im ISOS präzisieren vier Regeln diese Grundsätze, sie sind sowohl für die Inventarisierung wie für die Auswahl der wichtigsten Ortsbilder der Schweiz bestimmend.

Gurtendörfli BE, Weiler von nationaler Bedeutung
Gurtendörfli BE, Weiler von nationaler Bedeutung

Auch ein Weiler kann bestqualifiziert werden.

Nicht nur ein mittelalterlicher Stadtkern, auch ländliche Siedlungen können nationale Bedeutung haben,

  • wenn sie für die Region typische Bauten mit intakten Vorplätzen und Gärten enthalten,
  • wenn die Bauten einen räumlich intensiven Bezug zueinander haben,
  • wenn die Umgebungen unverbaut sind.

Was für den Weiler stimmt, gilt erst recht für das Dorf.

In älteren Listen und Inventaren hatten sich ländliche Siedlungen dem Vergleich mit den städtischen zu stellen und schnitten deshalb entsprechend schlechter ab. Für die Bewertung wurde deshalb für das ISOS ein Raster geschaffen, der es erlaubt, Weiler mit Weilern, verstädterte Dörfer mit verstädterten Dörfern, Kleinstädte mit Kleinstädten usw. zu vergleichen.

Gaswerk Schlieren ZH, Spezialfall von nationaler Bedeutung
Gaswerk Schlieren ZH, Spezialfall von nationaler Bedeutung

Quartiere aus dem 19. Jh. sind nicht von vornherein weniger bedeutend als mittelalterliche Zentren.

Für die Bewertung ist nicht die Entstehungszeit der Bebauung ausschlaggebend. Wichtig ist die Art und Weise, wie diese Bebauung eine bestimmte soziale, politische und ökonomische Situation, – kurz: eine bestimmte Lebensform – illustriert.
Konsequenz dieses Ansatzes war eine Ausdehnung des Untersuchungsgebiets im örtlichen Rahmen. Neben den Altstadtkernen mussten nun auch ihre Vorstädte aus dem 16. Jh. sowie die Villen-, Arbeiter- und Industriequartiere aus dem 19. Jh. untersucht und inventarisiert werden. Das ISOS erfasst heute auch Siedlungen aus der Mitte des 20. Jh., wenn sie räumlich mit älteren Ortsteilen zusammenhängen.

Oberdettigen BE, Weiler von nationaler Bedeutung
Oberdettigen BE, Weiler von nationaler Bedeutung

Ein Ortsbild, das keinen einzigen wertvollen Einzelbau enthält, kann nationale Bedeutung haben.

Klar definierte Strassen- und Platzräume werden damit für das Ortsinventar wichtiger als kunsthistorisch bedeutende Einzelbauten, die ja in erster Linie Objekte der Denkmalpflege sind.
Diese Art der Betrachtung legt Gewicht auf den räumlichen Bezug der Bauten untereinander und zu den Erschliessungsachsen. Sie ist für die Methode ausschlaggebend (sie verweist auf die Erkenntnisse der Gestaltpsychologie, die lehrt, dass die Art der Beziehung von Teilen untereinander ebenso wichtig ist wie die Teile selber).

Le Locle NE, Stadt von nationaler Bedeutung
Le Locle NE, Stadt von nationaler Bedeutung

Ein Ortsbild soll weder in seiner Vergangenheit noch für seine Zukunft statisch betrachtet werden.

Ein Inventar von Ortsbildern, die meist über mehrere Jahrhunderte entstanden sind, ist eine Momentaufnahme in einem Entwicklungsprozess. Wird die Entwicklung eines Orts in die Bewertung einbezogen, kann keine starre Zeitgrenze aufzunehmende und zu vernachlässigende Ortsteile trennen. Das Denken in Entwicklungsprozessen fördert eine Verbindung zur Planung und führt zur Formulierung von sogenannten Erhaltungszielen.


Zuletzt aktualisiert am: 31.12.2013

Ende Inhaltsbereich

Volltextsuche



http://www.bak.admin.ch/isos/03188/03195/index.html?lang=de