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Das Ortsbild des Monats Januar ist eine stark gekürzte Version der Aufnahme aus dem ISOS-Band Glarus von 1992 welche neu als pdf erhältlich ist.
Vom bescheidenen Bauerndorf zum reichen Ort des Handels
Ennenda wird urkundlich erstmals im 14. Jahrhundert erwähnt, und zwar als "Ennet a", was heisst ennet der Aa, wie die Alemannen die Linth vorerst nannten. Das Dorf war zunächst sehr klein. Mitte des 16. Jahrhunderts zählte es lediglich 204 Einwohner. Mit der 1616 beginnenden Produktion von Schiefertischen wurde es zum Tischmacher- und Tischhändlerdorf. Nun vergrösserte sich das Oberdorf
(> 1), der bäuerliche Siedlungskern am Hang, beträchtlich. Am Rand der Talebene wurden die ersten Häuser gebaut. Bis zum Ende des 17. Jahrhunderts wuchs die Einwohnerzahl der Gemeinde (inkl. Ennetbühl) auf 950 an.
Einen weiteren Aufschwung nahm das Dorf im 18. Jahrhundert, als im Tal die sich rasch verbreitende Baumwollindustrie neue Erwerbsmöglichkeiten bot. Zwischen 1763 und 1793 stieg die Einwohnerzahl der Gemeinde von 1018 auf 1500 an. Der neue Reichtum Ennendas gründete sich weniger auf die Produktion als auf Handelsgeschäfte.
Rund um die 1774 geweihte Pfarrkirche (> 2.0.3), den baulichen Ausdruck der kirchlichen Lostrennung von Glarus, liessen sich meist in den 1780-er Jahren die Handelsherren stattliche Wohnsitze erbauen. So entstand am Rand der durch eine neue Linthwuhre vor Überschwemmungen gesicherten Talebene das Mitteldorf (> 2).
Ebenfalls noch im 18. Jahrhundert - also aussergewöhnlich früh für solche Haustypen - begann der Bau der Wohnzeile bei der Mühle (> 0.1).
Mit der Planung und Ausführung eines Quartiers städtischen Zuschnitts von 1862 bis 1864 (> 3.4) endete die Zeit der grössten Bautätigkeit. Gegen 1870 geriet der Zeugdruck in eine Krise: die Fabrikanten schritten zur Diversifikation.
Der neue Fabrikort
Nach drei Jahrzehnten Stagnation setzte in den 1820-er Jahren jene Entwicklung ein, die Ennenda zum eigentlichen Fabrikdorf machte. Im Jahr 1827 wurde eine Baumwolldruckerei eröffnet und in den folgenden Jahren zu einem grossen Fabrikkomplex ausgebaut (> 4). Ebenfalls 1827 begann der Bau der Häuserzeilen am Kirchweg (> 3.2) und in der Wies (> 3.3). Weitere Fabrikgründungen folgten. 1850 wurde der Dorfbach kanalisiert.
Die Druckerei Barth. Jenny wurde 1872 in eine Spinnerei, die Druckerei C. Jenny 1899 in eine Teppichfabrik umgewandelt. Die wichtigste Neugründung war 1918 die F. Knobel Apparatebau AG jenseits der Bahngeleise. Die Erstausgabe der Siegfriedkarte aus dem Jahr der Bahnlinieneröffnung, 1879, zeigt ein fast verbindungsloses Nebeneinander von unregelmässig gewachsenem Dorf (Ober- und Mitteldorf am Hang, beziehungsweise am Hangfuss) und geplanten Neuquartieren in der Ebene.
Ab 1888 und 1890 wurden drei luxuriöse Villen an der Villenstrasse erstellt. Sie und das monumentale Gemeindehaus mit Konzertsaal nahe des Bahnhofs setzen die bis anhin fehlenden repräsentativen Akzente ins nüchterne Fabrikdorf.
Nicht zufällig bezeichnete das Geographische Lexikon der Schweiz von 1904 Ennenda als "eine der wohlhabendsten Gemeinden der Schweiz". In den letzten hundert Jahren nahm die Zahl der Einfamilienhäuser, Reihenhaussiedlungen und Chaletquartiere stetig zu. Industrie- sowie Gewerbebetriebe verschonten aber bis heute den Hang.
In den letzten Jahrzehnten setzte die Demontage alter Industrieanlagen ein. Markante Tröcknetürme wurden abgetragen, und an der Stelle der Zeugdruckerei Freuler erstand mitten im Dorf eine grosse Wohnüberbauung.
Das dörfliche Ennenda
Der älteste Siedlungskern, das stattliche Oberdorf (> 1), liegt von der einst überschwemmungsgefährdeten Ebene zurückgezogen am Hang. Die Häuser stehen wie bei den voralpinen Haufendörfern eng nebeneinander und werden von einem engmaschigen Wegnetz erschlossen.
Typische Glarner Blockhäuser mit schwach geneigtem Giebeldach, hölzerne Stallscheunen, Steinmäuerchen und kleine Gärten bestimmen das Bild der Gassen- und Platzräume. Die verputzten oder verschindelten Giebelfronten der Wohnhäuser erzielen über die innern Grünanlagen (> II) hinweg eine eindrückliche Silhouettenwirkung. Das Oberdorf ist nicht mehr bäuerlich, wohl aber noch ausgeprägt ländlich.
Das Mitteldorf (> 2), Dorferweiterung des 17./18.Jahrhunderts, schliesst mit verzweigter Struktur und weniger homogener Bebauung an das untere Ende des Oberdorfs an. Die älteren Blockbauten am Hangfuss werden durch die spätbarocken herrschaftlichen Wohnsitze und ihre von hohen Mauern umgebenen Gärten verdeckt. Bei der Kirche verdichten sich die Bauten mit öffentlichen Einrichtungen zum eigentlichen Zentrum.
Die Längsachse des Mitteldorfs wird im Norden vom Müliquartier (> 0.1) fortgesetzt, einem kleinen, guterhaltenen Wohn- und Gewerbequartier mit einer eindrücklichen langen Häuserzeile. Da rund die Hälfte der dreiundzwanzig Häuser aus dem 18. Jahrhundert stammt, dürfte es sich hier um das älteste Beispiel der später im ganzen Kanton verbreiteten Arbeiterwohnungen in Zeilenbauweise handeln.
Die verputzten dreigeschossigen Häuser mit Satteldach und rückseitigen Anbauten für Kleintierhaltung sind nach Süden orientiert. Über die ganze Länge der Hauszeile erstrecken sich eingezäunte Vorgärten.
Das Fabrikdorf
Die neuen Ortsteile (> 3) nehmen die ganze Breite der Talebene zwischen dem älteren Siedlungskern und der Bahnlinie ein. Das Fabrikdorf umfasst mehrere in sich geschlossene, im 19. Jahrhundert planmässig angelegte Baugruppen sowie Reihenhäuser oder Chalets aus dem
20. Jahrhundert. Dazwischen stehen das Schulhaus von 1829 (> 3.0.13) mit seiner dreieckigen Platzanlage davor und das monumentale Gemeindehaus (> 3.0.16) in einer grosszügigen Parkanlage, das dörfliche Postbüro und das städtisch grau verputzte Gesellschaftshaus (> 3.0.17).
Den Ortszugang von Glarus her prägen die drei in derselben Flucht stehenden, 1827 begonnenen Häuserzeilen am Kirchweg (> 3.2) mit ihren geschweiften Quergiebeln.
Ohne schmucke Quergiebel und ohne Gärten präsentiert sich das ungefähr zur gleichen Zeit erbaute Wohnquartier in der Wies (> 3.3). Alle Bauten sind hier mit ihren Wohnungen und Eingängen auf die Strasse ausgerichtet und strecken sich gegenseitig ihre Hinterseiten, z.T. mit bretterverschalten Ställen entgegen.
Dadurch entstehen enge Hintergassen, gesäumt von zwei- bis dreigeschossigen Anbauten mit Zinnen. Das Neubauquartier (> 3.4) steht unter dem Einfluss des Glarner Wiederaufbauplans und seinem strengen Rasterschema mit Höfen. Zwischen den schmucklosen dreigeschossigen Hauszeilen öffnen sich breite Strassen- und Hintergassenräume.
Obwohl aus nur drei Bauten in Pärken bestehend, bildet das kleine Villenquartier (> 3.5) einen eigenen Ortsteil respektablen Ausmasses, beanspruchen die drei luxuriösen Wohnhäuser doch mehr Terrain als die dreiundzwanzig Häuser der nahen Mülizeile.
Sie verraten mit ihren ambitiösen Türmchen, Mansartdächern, Veranden, Fensterbekrönungen und Portalen einen Machtanspruch und sind am ehesten den spätbarocken Wohnsitzen der Handelsfamilien im Ort zu vergleichen.
Das Industriequartier
Der Fabrikkomplex der ehemaligen Zeugdruckerei Jenny
(> 4) am nördlichen Dorfrand ist einer der eindrücklichsten im fabrikreichen Kanton Glarus. Die Anlage erinnert an eine Baukastenkomposition, so autonom stehen die einzelnen Baukörper nebeneinander, besonders die zwei beinahe identischen viergeschossigen Fabrikbauten mit je 15 Fensterachsen und der hohe Fabrikschlot.
Das Quartier birgt auch weitere interessante Bauten wie die wohlproportionierte Fabrikantenvilla, den Tröckneturm und das Kesselhaus. Auch der Fabrikkanal ist noch vorhanden.
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*/ Lagequalitäten
*** Räumliche Qualitäten
*** Architekturhistorische Qualitäten
Lagequalitäten
Das Industriedorf mit städtischen Elementen und bäuerlichem Kern, Nachbarort von Glarus am andern Linthufer, hat gewisse Lagequalitäten dank der unverbauten Situation des alten Dorfes am untersten Abschnitt des Talhangs.
Räumliche Qualitäten
Die besonderen räumlichen Qualitäten verdankt der Ort dem Nebeneinander der eng und haufenförmig zusammengedrängten alten Dorfteile und der planmässig angelegten Dorferweiterungen aus dem 19. Jahrhundert mit gradlinigen Strassenzeilen von grosser Prägnanz.
Architekturhistorische Qualitäten
Besondere architekturhistorische Qualitäten hat Ennenda durch die klar ablesbare Entwicklung vom Bauerndorf zum Handwerker- und Handelsort, später zum typischen Glarner Industriedorf. Es überrascht durch die vielen wertvollen Bauernhäuser, herrschaftlichen Wohnsitze, durch Kirche, Schulhaus, Arbeiterquartiere, durch Fabriken, Gemeindehaus, Saal usw. und verdient zusätzliche typologische Qualitäten wegen der Vielfalt der hier besonders früh auftretenden Zeilenbauweise.
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