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The site of the month June 2003: Niederwil ZG

The site of the month June stems from the newly published ISOS volume "Zug" (only available in German). The internet release is an abbreviated version of the inventory record.

Niederwil, Gemeinde Cham, Dorf von nationaler Bedeutung im Kanton Zug

Flugbild 1987Siegfriedkarte von 1880/82Landeskarte von 1994Käserei, Kirche St. MauritiusRestaurant SchmiedeSchulhaus Kirchenhof mit Kaplanei


Lage und Herkunft    
Niederwil befindet sich unweit der Kantonsgrenze zum zürcherischen Knonaueramt in einer weiträumigen Hügellandschaft. Die sanften Geländeformen sind durch Moränenablagerungen des Reussgletschers entstanden. Die Endsilbe "-wil" der einst als "Wiprechtwil" bezeichneten Siedlung deutet auf eine alemannische Gründung hin. Die Kirche wurde erstmals 1045 erwähnt. Seit 1514 gehört der Ort kirchlich und politisch zu Cham. Im 2. Villmergerkrieg ist das Gotteshaus und ein grosser Teil der Bauernhäuser durch protestantische Truppen verwüstet worden.

Lebensgrundlage    
Acker- und Obstbau waren während Jahrhunderten der Haupterwerb der Niederwiler, dann in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde er durch die Milchwirtschaft abgelöst. Dazu trug die Milchfabrik in Cham bei, die auch die Milch aus Niederwil entgegennahm. Um sich dem Preisdiktat dieses weit und breit wichtigsten Abnehmers zu entziehen, gründeten die Niederwiler Bauern 1913 eine eigene Milchverwertungsgenossenschaft. In der dorfeigenen Käserei werden noch heute fast zwei Millionen Liter Milch pro Jahr verarbeitet. Infolge der Milchkontingentierung hat der Ackerbau in den letzten Jahrzehnten wieder Bedeutung erlangt, stark zurückgegangen ist hingegen der Obstbau.

Keine namhafte Entwicklung    
Weil Niederwil abseits von Hauptverkehrsachsen liegt, blieb es in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts als einziges der Bauerndörfer im Kanton Zug fast gänzlich von neuen Überbauungen verschont. Der Ort zeigt denn noch heute ein erstaunlich ähnliches Bild wie auf der Siegfriedkarte von 1882.

Fast ein Kalenderbild    
Niederwil entspricht in Anordnung und Qualität der Bauten sowie in den intakten Umgebungen dem Idealbild eines Haufendorfs. Die Kirche steht im Ortszentrum (> 1). Das 1843 an Stelle eines Vorgängerbaus errichtete Gotteshaus (> 1.0.1) folgt mit seinem dreiachsigen Schiff, dem eingezogenen Chor und dem seitlichen Kirchturm der Tradition der spätbarocken innerschweizerischen Landkirchen. Der reizvolle Kirchhof mit prächtigem Bauerngarten wird vom Kaplanenhaus, einem breit gelagerten Doppelbauernhaus und von der nördlichen Längsfront der Kirche eng gefasst. Im bäuerlichen Ortskern eher befremdlich wirkt die vorstädtisch anmutende Grünanlage vor dem Kirchenportal.

Wege und Hauptbauten    
Die Strasse durchquert den Ort in einem weiten Bogen von Osten nach Westen. Die getrennt angeordneten Wohn- und Ökonomiebauten richten sich nicht auf sie aus, sondern folgen vielmehr älteren, teils bekiesten Wegen, die vom Ortszentrum in die Landschaft hinausführen.

Eine Ausnahme macht die 1915 erstellte Käserei (> 1.0.4); ein traufbetonter Massivbau mit klarer Orientierung auf die Durchgangsstrasse. Weil die meisten Bauten versetzt und oft abgedreht zueinander stehen, ergeben sich äusserst vielfältige Zwischenbereiche; Werkplätze, umhagte Zier- und Nutzgärten sowie Hosteten mit hochstämmigen Obstbäumen.

Bauweise und Details zeigen die besondere Situation von Niederwil am Übergang zwischen dem Mittelland und der Innerschweiz. Wie im benachbarten Knonaueramt bestimmen Ständerkonstruktionen mit auffallend tief heruntergezogenen Ziegeldächern die Bauten. Die meisten Giebelfronten sind jedoch, wie im alpinen Hausbau, verschindelt und mit Klebedächern versehen.

Im westlichen Dorfteil fällt der ländliche Giebelbau des Restaurants "Schmiede" durch seine hell verputzten Fassaden auf. Das grobe Stahldach über dem Werkplatz davor müsste redimensioniert oder ersetzt werden.

Das Schulhaus steht ausserhalb des Dorfkerns, an der Strasse nach Rumentikon und wurde 1898 erstellt. Zuvor fand der Schulunterricht im Kaplanenhaus statt. Der kleine, zweigeschossige Massivbau mit Eckquadern und übergiebelter Mittelachse ist in den 1960er-Jahren um einen rückseitigen Anbau und einen Pausenplatz erweitert worden.

Nebenbauten    
Auch die Stallscheunen mit den weit vortragenden Satteldächern, gemauerten Sockeln und Hocheinfahrten prägen den Ort. Die meisten stammen aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts, als die Milchwirtschaft blühte, nachdem die Mechanisierung aufgekommen war. Kleine Nebenbauten wie Speicher, Schöpfe und Brennhäuschen verdichten das Baugefüge. Am Rand der verschachtelten Siedlung sind in den letzten Jahrzehnten einige Mitteltennscheunen entstanden. Den älteren Stallscheunen in Form und Materialien nicht unähnlich, fügen sie sich ziemlich gut in das Ortsganze ein.

Umgebungen    
So macht denn Niederwil, trotz einigen neueren Wohn- und Gewerbebauten, noch immer einen überraschend ursprünglichen Eindruck. Das weiträumige Agrarland (> I) sichert der dichten, vom zwiebelbehelmten Kirchturm überragten Siedlung allseitig eine ungestörte Silhouette.

Wir empfehlen    

  • Die Bauten samt Zwischenbereichen mit Naturwiesen, Bauerngärten und Obstbäumen sind integral zu erhalten: auf eine Asphaltierung der Erschliessungswege ist zu verzichten, die Durchgangsstrasse sollte nicht verbreitert werden;
  • Schutz und fachgerechte Pflege verdienen ausser den Hauptbauten auch die nicht mehr benutzten Nebenbauten. Bei Renovationen sind die alten Konstruktions- und Detailformen besonders zu beachten. Als Bedachungsmaterial ist am Ziegel festzuhalten;
  • Die Hochstammkulturen rund um die Siedlung sind zu pflegen beziehungsweise zu intensivieren.

Wir bewerten

**/         Lagequalitäten
**/         Räumliche Qualitäten
**/         Architekturhistorische Qualitäten 
    
     
Lagequalitäten
Niederwil hat besondere Lagequalitäten wegen der Einbettung in eine weiträumige Geländekammer mit rundum unverbautem Wies- und Ackerland und dank der einprägsamen Silhouette mit reich gegliederter, von Obstbäumen durchsetzter und vom Kirchturm überragter Dachlandschaft.

Räumliche Qualitäten
Die grossen räumlichen Qualitäten verdankt das Haufendorf den gut erhaltenen, verwinkelt stehenden Haupt- und Nebenbauten, dem im Verlauf noch weitgehend ursprünglichen Wegnetz und den ausgeprägt bäuerlichen Zwischenbereichen mit vielfältigen Durchblicken. Die Ortsmitte wird durch die Kirche eindrücklich akzentuiert.

Architekturhistorische Qualitäten
Die besonderen architekturhistorischen Qualitäten rühren einerseits von der Situation am Übergang vom voralpinen zum mittelländischen Siedlungsraum mit, dank den Mischformen stilistisch interessanten Bauernhäusern, andererseits vom stimmungsvollen Platz mit der spätbarocken Pfarrkirche und der alten Kaplanei.

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Further information

Type: PDF
31.10.2011 | 212 kb | PDF
Die Zahlen in der Ortsbeschreibung, z.B. (> 1), beziehen sich auf den Grundplan. Dieser zeigt die Interpretation des Ortes aus dem spezifischen Blickwinkel des Inventars.

Die Fotos stammen aus dem Jahre 1996.
Type: PDF
29.04.2010 | 1387 kb | PDF
Type: PDF
29.04.2010 | 30 kb | PDF


http://www.bak.admin.ch/isos/03199/03466/03473/index.html?lang=en