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Ortsbild des Monats April 2011: Weisstannen SG

Das Ortsbild des Monats April ist eine gekürzte Version der Aufnahme aus der neuen ISOS-Publikation Kanton St. Gallen, Band 2.2, Rheintal Sarganserland Orte N-Z.

Weisstannen, Gemeinde Mels, Wahlkreis Sarganserland, Kanton St. Gallen, Dorf von nationaler Bedeutung

Flugbild Bruno Pellandini 2008Siegfriedkarte 1886Landeskarte 2002UnterdorfPfarrhaus, 1880Hotel «Alpenhof»OberdorfBarocke Pfarrkirche, 1665/66


Siedlungsentwicklung    
Der im hinteren Weisstannental liegende Ort war schon vor mehr als 600 Jahren besiedelt, denn das Urbar der Grafen von Sargans aus dem Jahr 1398 erwähnt «ze Wisztan» lebende Eigenleute, Freie und Walser. Besitzer der Alpen waren im Mittelalter neben den Sarganser Grafen das Kloster Schänis, die Freiherren von Sax, Ortsgemeinden und Privatpersonen. Das ehemalige Verwaltungsgebäude des Klosters Schänis im Dorf zeugt noch heute von der ehemaligen Grundherrschaft. Die Oberhoheit hatten von 1483 bis 1798 die Eidgenossen in Händen.

Im 15. Jahrhundert waren auf Melser Gemeindeboden mindestens zehn Mühlen in Betrieb. Eine davon stand in Weisstannen. 1485 wurde erstmals ein Gotteshaus beurkundet. Es gehörte damals zur Pfarrei Mels. Die Reformation drang zwar bis ins abgelegene Bergtal vor und gipfelte 1529 in einem Bildersturm, doch bereits drei Jahre später war der alte Glaube wieder eingeführt. Historiche Quellen bezeugen, dass um 1665 die Kirche baufällig war. Die 1666 aktenkundige Weihe durch den Churer Bischof betraf deshalb wohl einen Neubau. Kurz nach 1670 entstand das erste Pfarrhaus. Die Gründung einer eigenen Pfarrei erfolgte 1689. Im Jahr 1803, nach dem Zusammenbruch der alten politischen Ordnung, kam Weisstannen als Teil der grossen Gemeinde Mels zum neu gegründeten Kanton St.Gallen.

Während Jahrhunderten waren Bauernsöhne als Söldner in die Fremde gezogen, denn die Verdienstmöglichkeiten im Tal waren beschränkt. Nachdem der Ackerbau aus klimatischen Gründen hatte aufgegeben werden müssen, boten Alp- und Forstwirtschaft den Bewohnern eine Existenzgrundlage. Nach 1820 wurden der Viehhandel mit Italien und der Holzhandel mit Zürich aufgenommen. Flösser transportierten das Holz durch die Seez bis nach Walenstadt. Bis 1873 führte nur ein Fussweg durchs Tal, danach wurde die Strecke Weisstannen-Mels durch eine Strasse erschlossen. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts kam ein bescheidener Tourismus auf: Weisstannen wurde beliebte Sommerfrische.
Die Siegfriedkarte von 1886 zeigt das Dorf als zweiteilige kompakte Siedlung. Die beiden Teile liegen an der ins hintere Tal führenden Hauptstrasse. Der Gufelbach tangiert den südlichen, die Seez den nördlichen Ortsteil. Bis heute hat sich das Siedlungsbild nicht wesentlich verändert, die Erwerbsstruktur dagegen sehr. Noch um 1900 lebten die Dorfbewohner, damals waren es 197, überwiegend von der Landwirtschaft. In den letzten Jahrzehnten ist jedoch die Zahl der Bauernbetriebe markant zurückgegangen.

Der heutige Ort    
Das schmale Weisstannental gabelt sich im hinteren Talabschnitt auf. Es erreicht dort etwa 1000 m Höhe über Meer und steigt gegen Süden nurmehr wenig an. Durch die Einmündung des Gufelbachs in die Seez ist ein flacher Schuttkegel entstanden. Das Oberdorf (> 1) liegt vor dem Eingang ins Gufelbachtal, flankiert von steilen Talhängen (> II, III). Bachabwärts verjüngt sich das Flachufer; dort, wo der Westhang (> II) die Seez erreicht, liegt das Unterdorf (> 0.1).

Der Zugang zum zweiteiligen Ort erfolgt unausweichlich über diesen nördlichen der beiden Ortsteile. Parallel zur Talstrasse stehend, lenkt das lange Gebäude des Hotels «Gemse» in die lockere Bautengruppe ein. Von Norden her sind nur Satteldächer und niedrige Traufseiten ersichtlich, denn die meisten Giebelfronten wenden sich der Strasse zu. Von der schlichten Pfarrkirche ist zuerst nur die Zwiebelhaube erkennbar. Die Bebauung schmiegt sich optimal dem auslaufenden Wieshang an. Im Innern herrscht eine bäuerlich-ländliche Atmosphäre. Der geteerten Fahrbahn sind durch Gartenzäune und Mäuerchen enge Grenzen gesetzt. Der Strassenraum zwischen den locker gereihten Holzhäusern ist grosszügiger. Zwei Bauernhäuser sind von der leicht ansteigenden Strasse zurückgesetzt; intakte Zwischenbereiche, Gärten und Wiesenstreifen erlauben immer wieder den Blick auf den Wieshang. Die engste Stelle des Strassenraums befindet sich zwischen dem gemauerten Aufgang zur Kirche und dem holzverschindelten Bauernhaus gegenüber.
Die klar dem Unterdorf zugehörige Pfarrkirche hat eine Funktion als Vermittlerin zwischen den beiden Ortsteilen. Je mehr man sich südwärts vom Sakralbau entfernt, desto dominanter wirkt der helle Massivbau im vollständig in Holz erbauten nördlichen Ortsteil.

Von Weidenzäunen gesäumt führt die Talstrasse fast hangparallel weiter zum Oberdorf (> 1). In der etwas höher gelegenen strassendorfähnlichen Bebauung wandelt sie sich zur bäuerlichen Gasse. Vor dem alten Dorfbrunnen am kleinen Platz verzweigt sie sich in zwei Äste. Der baulich und räumlich interessantere wendet sich westwärts zur Brücke über den Gufelbach. Der Gassenzug verbindet das schlichte Schulhaus mit dem stattlichen ehemaligen Verwaltungsbau des Klosters Schänis, dem einzigen alten Steinhaus im Weisstannental. Dazwischen stehen, meist mit der Giebelfront zur Dorfgasse, mehrere ältere Holzhäuser und eine Stallscheune sowie zwei chaletähnliche Bauten jüngeren Datums und ein kleines, von der Strasse zurückgesetztes Einfamilienhaus. Mit Ausnahme des Pausenplatzes sind die Vor- und Zwischenbereiche begrünt. Oberhalb der Gasse, gegen das höher gelegene Hotel, lockert sich die dörfliche Bebauung auf. Ein Ringsträsschen erschliesst den «Alpenhof», ein paar alte Holzhäuser, einen grossen Ökonomiebau und ein verputztes Einfamilienhaus. Dazwischen erstrecken sich Wiesstücke und Gärten.

Vorherrschender Haustyp in den ins Wies- und Weideland eingebetteten Bauernsiedlungen ist der zweigeschossige Blockbau mit Satteldach. Wohl aus dem 17. Jahrhundert stammen einzelne Tätschdachhäuser, aus dem 18./19. Jahrhundert die meisten anderen Bauten, darunter auch der steilgieblige Strickbau an der Obergasse. Selten sind die Holzkonstruktionen sichtbar belassen, häufiger mit einem Holzschindelschirm bekleidet, eternitverschindelt oder holzverschalt.

Die Zweiteiligkeit von Ober- und Unterdorf lässt sich wegen dem noch weitgehend unverbauten Wiesland (> I, II) gut ablesen. Die steilen, waldbegrenzten Wieshänge (> II, III) mit verstreut liegenden Heuställen sind typisch für die voralpine Berglandschaft.

Wir empfehlen    

  • Die Substanz des Ober- und des Unterdorfes ungeschmälert erhalten.
  • Kein weiterer Ausbau von Strassen und Wegen.
  • Die Parkplätze vor den beiden Hotels sensibler behandeln.
  • Bei Fassadenrenovationen traditionelle Materialien verwenden.
  • Kein Überbauen der ursprünglichen Zwischenbereiche.
  • Das Wiesgelände zwischen den beiden Ortsteilen von weiteren Neubauten frei halten.

Wir bewerten

***       Lagequalitäten
***       Räumliche Qualitäten
**/        Architekturhistorische Qualitäten 
    
     
Besondere Lagequalitäten im weitgehend unverbauten Bergtal wegen der auf die Topographie eingehenden zweipoligen Dorfanlage, dank des das Unterdorf akzentuierenden Kirchturms sowie wegen der eindrücklichen Silhouette vor den waldbegrenzten Wieshängen.

Besondere räumliche Qualitäten in beiden Ortsteilen dank der bäuerlichen Gassenräume und der im Wiesgelände sich klar abzeichnenden Ortsränder, auch dank der eingezäunten Bauern-, Ziergärten und der Grasstreifen, welche zum Teil sanft in die Nahumgebung übergehen. Räumlich besonders interessant im Unterdorf die Verengung vor der Kirche und im Oberdorf das durch Häuser und einen Brunnen definierte Plätzchen.

Gute architekturhistorische Qualitäten wegen der Pfarrkirche mit barockem Chorscheitelturm, dem Schulhaus und dem ehemaligen klösterlichen Verwaltungsgebäude sowie dank einer Reihe von gut erhaltenen, regionaltypischen Bauernhäusern aus unterschiedlichen Bauepochen, darunter auch solche mit Tätschdach.

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Weitere Informationen

Typ: PDF
31.10.2011 | 212 kb | PDF
Die Zahlen in der Ortsbeschreibung, z.B. (> 1), beziehen sich auf den Grundplan. Dieser zeigt die Interpretation des Ortes aus dem spezifischen Blickwinkel des Inventars.

Die Fotos stammen aus dem Jahr 1999.
Typ: PDF
01.04.2011 | 1511 kb | PDF
Typ: PDF
01.04.2011 | 15 kb | PDF


http://www.bak.admin.ch/isos/03199/03839/03905/index.html?lang=de