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Weingebiet Lavaux (2007)


Lavaux, vineyard terraces
© Régis Colombo/www.diapo.ch

Das Dossier der Kandidatur «Weinbaugebiet Lavaux» war am 21. Dezember 2005 in Paris bei der UNESCO eingereicht worden. Die Evaluation durch einen Experten von ICOMOS International hat im August 2006 stattgefunden. Das Welterbekomitee hat das Lavaux anlässlich seiner 31. Session in Christchurch in Neuseeland im Juni 2007 auf die Liste des Welterbes eingeschrieben.

Das Objekt «Weinbaugebiet Lavaux» umfasst 805 ha Weingebiet auf insgesamt 1700 ha in den Gemeinden Lutry, Villette, Grandvaux, Cully, Riex, Saint-Saphorin, Chexbres, Chardonne, Corseaux, Jongny und Corsier-sur-Vevey. Der Perimeter entspricht grundsätzlich dem Gebiet der Loi sur le Plan de Protection de Lavaux (LPPL). Das Lavaux ist eine durch vielfältige, wechselseitige Beziehungen zwischen Mensch und Natur geprägte Kulturlandschaft. Als lebendige Landschaft zeigt es eine jahrhundertealte Entwicklung: Sie begann im 12. Jh. mit der Umgestaltung in die Terrassenlandschaft durch die Zisterziensermönche und dauert bis heute fort. Der Weinbau bildet noch immer die ökonomische Grundlage des Gebiets. In die Weinbaulandschaft eingebettet liegen bedeutende Ortsbilder, die in Struktur und Architektur die historische Entwicklung des Weinbaus abbilden. Zahlreiche Familiensitze, teilweise mit klösterlichem Ursprung, prägen die Siedlungen. Historische Wege durchziehen das Gebiet, aber auch neue Verkehrsachsen wie die Eisenbahn und Autobahn. Sie interagieren mit der aussergewöhnlichen Landschaft des Lavaux, vergleichbar mit dem Prinzip der amerikanischen Park Ways. Zahlreiche weitere kulturelle Zeugen, aus römischer Zeit bis in die Moderne, tragen zur wertvollen Kulturlandschaft bei. Dazu kommt die einzigartige topografische Lage mit Weinbergen, dem See und dem dahinterliegende Panorama der Hochalpen. Sie ist allgegenwärtig und von herausragender Naturästhetik.

Das Lavaux ist das Abbild einer ausserordentlich komplexen und auf die natürlichen Gegebenheiten abgestimmten menschlichen Überformung einer Naturlandschaft. Während Jahrhunderten haben die Bewohner die Techniken des Weinbaus und der Bearbeitung des Terrains weiterentwickelt, immer jedoch mit Respekt gegenüber dem Vorhandenen. Die Authentizität des Lavaux ist daher nicht so sehr in der originalen Substanz ursprünglicher Terrassenmauern zu suchen, sondern in der Vielschichtigkeit und historischen, durch Zufügungen aller Zeiten geprägten Kontinuität der Landschaftsgestaltung. Diese war und ist immer dem gleichen Ziel verpflichtet: dem Weinbau. Die visuelle Harmonie, in der sich das Lavaux heute präsentiert, ist der Beweis für die Dauerhaftigkeit der Struktur dieser Terrassenlandschaft. Die Mauern wurden durch die Jahrhunderte gepflegt, erneuert und angepasst. Die Siedlungen im Gebiet werden auch heute noch mehrheitlich von Weinbauern bewohnt, manche Weinbauernfamilien bewirtschaften seit über 20 Generationen dieselben Güter. Besonders bemerkenswert für unsere moderne Zeit ist in diesem Zusammenhang auch der durch den Volkswillen bekräftigte, gesetzliche Schutz dieser Landschaft. Auf das Lavaux, zwischen den Zentren Lausanne und Vevey/Montreux gelegen, wirkt in unserer Zeit wirtschaftlicher Prosperität ein grosser Entwicklungsdruck. Das Lavaux wurde deshalb auch schon als «Central Park» des Arc Lémanique bezeichnet. Um diesem Druck auch in Zukunft standzuhalten, muss der Weinbau als wirtschaftliche Grundlage erhalten bleiben. Die Nominierung zum UNESCO-Weltkulturerbe wird zur Sicherung dieser aussergewöhnlichen Landschaft beitragen.

Die beeindruckende Ästhetik und besondere Stimmung des Lavaux hat seit jeher Maler, Literaten und auch Filmemacher in ihren Bann gezogen. Von Ferdinand Hodler über Charles Ferdinand Ramuz bis hin zu Claude Chabrol wurde das Lavaux in berühmten Kunstwerken dargestellt.

«C'est tout habitué à l'obéissance par ici, depuis le temps que c'est
en vignes. Et le bon Dieu lui-même a décidé que ce serait en vignes,
ayant orienté le mont comme il convient, se disant:

‹Je vais faire une belle pente tout exprès, dans l'exposition qu'il faut,
avec l'inclinaison qu'il faut, et je vais mettre encore dans le bas la nappe
de l'eau pour qu'il y ait ainsi deux soleils sur elle, que le soleil qui vient
ailleurs d'en haut seulement vienne ici d'en haut et d'en bas...›
Je dis que c'est le bon Dieu qui a arrangé lui-même tout ça, puis il nous
a dit: ‹A votre tour›, alors quoi? on est désignés.(...)

Le bon Dieu a commencé, nous on est venu ensuite et on a fini...
Le bon Dieu a fait la pente, mais nous on a fait qu'elle serve,
on a fait qu'elle tienne, on a fait qu'elle dure: alors est-ce qu'on
la reconnaîtrait seulement à présent, dit-il encore, sous son habillement
de pierre?(...)

Et ce n'est plus du naturel, c'est du fabriqué; c'est nous, c'est fabriqué
par nous, ça ne tient grâce à nous; ça n'est plus une pente, c'est
une construction, c'est une tour, c'est un devant de forteresse...»

Charles Ferdinand Ramuz dans «Passage du poète» (1923)

Die UNESCO hat Weinbaugebiete als besondere Kulturlandschaften bereits mehrfach diskutiert. Bisher wurden, als voneinander unabhängige Einträge, die Cinque Terre und die Costa Amalfitana (I, 1997), das Gebiet St-Émilion (F, 1999), die Wachau (A, 2000), die Region Douro Alto (P, 2001), Tokaj (H, 2002) sowie das Weingebiet auf der Azoreninsel Pico (P, 2004) aufgenommen.

Zur Erarbeitung der Kandidatur des Lavaux war die Association pour l'inscription de Lavaux au patrimoine mondial de l'UNESCO (AIUL) gegründet worden, die Trägerschaft des Gutes ist nach der erfolgreichen Kandidatur an die Commission CIL-UNESCO (CCU) innerhalb der Commission intercantonale Lavaux (CIL) übergegangen.


Zuletzt aktualisiert am: 01.12.2013

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