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Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen

Ausgrabungen der Ausgrabungstätte Muntelier-Baie de Montilier (Kanton Freiburg, Schweiz) © Service archéologique de l’Etat de Fribourg; Fribourg, Suisse
Ausgrabungen der Ausgrabungstätte Muntelier-Baie de Montilier (Kanton Freiburg, Schweiz)
© Service archéologique de l’Etat de Fribourg; Fribourg, Suisse

Die Serie von 111 der 937 bekannten archäologischen Pfahlbaustätten in sechs Ländern um die Alpen- und Subalpenregionen Europas besteht aus Resten prähistorischer, unter Wasser, an See- oder Flussufern oder in Feuchtgebieten gelegenen Siedlungen aus der Zeit um 5000 bis 500 v. Chr.

Die für organische Materialien äusserst günstigen Erhaltungsbedingungen an den von Wasser umgebenen Fundstätten, verbunden mit vertieften Untersuchungen und Forschungen im Bereich der Unterwasserarchäologie auf verschiedenen naturwissenschaftlichen Forschungsgebieten wie der Wasserbotanik und der Wasserzoologie in den vergangenen Jahrzehnten, haben zu umfassenden Kenntnissen über die ersten Agrargesellschaften Europas beigetragen. Die Informationen über die Landwirtschaft, die Viehzucht und die Entwicklung der Metallverarbeitung über einen Zeitraum von mehr als vier Jahrtausenden präzisieren das Bild einer der wichtigsten Epochen der jüngeren Menschheitsgeschichte: die Entstehung der modernen Gesellschaften. Mit den exakten Datierungsmöglichkeiten architektonischer Holzbauteile durch die Dendrochronologie haben die Stätten archäologisches Quellenmaterial geliefert, mit dem der Bauplan ganzer prähistorischer Dörfer, bautechnische Einzelheiten und die räumliche Ausdehnung dieser Dörfer über sehr lange Zeiträume erfasst werden können. Sie geben auch Aufschluss über die Handelsrouten von Silex, Muscheln, Gold, Bernstein und Tongefässen und über die Transportmittel wie den Einbaum oder Holzräder. Letztere sind zum Teil vollständig erhalten und mit Achsen für zweirädrige Karren versehen. Sie stammen aus der Zeit um 3400 v. Chr. Erhalten geblieben sind schliesslich auch die ältesten Textilien Europas aus der Zeit um 3000 v. Chr. Alle diese Spuren lieferten ausführliche Kenntnisse über die Lebens- und Wohnbedingungen von rund 30 verschiedenen Kulturen in der alpinen Feuchtlandschaft.

Die physischen Reste sind gut konserviert und dokumentiert. Ihre im Boden oder unter Wasser erhaltenen archäologischen Schichtstufen sind hinsichtlich ihrer Struktur, ihres Materials und ihrer Substanz ohne spätere oder moderne Ergänzungen authentisch geblieben. Der erstaunliche Erhaltungszustand dieser organischen Reste erleichtert die Schlussfolgerungen über den Zweck und die Funktion der Stätten. Auch aus der langen Forschungs-, Kooperations- und Koordinationsgeschichte resultiert ein ausgesprochen hoher Kenntnis- und Dokumentationstand dieser Stätten.

Die Serie der Pfahlbaustätten steht unter dem gesetzlichen Schutz der einzelnen Mitgliedsländer. Alle zuständigen staatlichen Ebenen und Behörden sind in die gemeinsame Projektbewirtschaftung integriert, einschliesslich der lokalen Gemeinschaften in jedem Land. Die nationalen Systeme sind über ein internationales Gremium verbunden. Die gemeinsamen Visionen und Ziele werden aufgrund eines gemeinsamen Aktionsplans auf die internationalen, nationalen und regional/lokalen Projekte übertragen.


Zuletzt aktualisiert am: 09.01.2014

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