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Das Wichtigste in Kürze

Nico Krebs/Tayio Onorato, Photographes, Zurich/Berlin © Krebs / OnoratoWalter Steiger © BAK / Ruth ErdtSommerspiele (Giochi d'estate) © Peacock Film


In den letzten Jahren stand die Ausarbeitung und Vorbereitung der Umsetzung der neuen Gesetzgebung zur Kultur im Mittelpunkt unserer Arbeit. 2009 verabschiedete das Parlament das erste Kulturförderungsgesetz auf Bundesebene, in der Herbstsession 2011 hiess es die Kulturbotschaft über die strategische Ausrichtung der Kulturpolitik des Bundes gut. Die Kulturbotschaft verfolgt fünf Kernziele: die Pflege der kulturellen Vielfalt, die Verbesserung des Zugangs zur Kultur, die Förderung des Kulturaustauschs im In- und Ausland, die Verstärkung der Zusammenarbeit sowie die Schaffung guter Rahmenbedingungen. Neben diesen Kernzielen der Kulturpolitik definiert die Botschaft auch aufgabenspezifische Schwerpunkte für die vier Kulturinstitutionen des Bundes.

In diesem Zusammenhang haben der Bund, die Kantone, Städte und Gemeinden den nationalen Kulturdialog lanciert, der 2012 zum ersten Mal stattgefunden hat. Der nationale Kulturdialog ist ein Treffen der politischen und parallel dazu der operativen öffentlichen Kulturförderungsinstanzen der Schweiz.

Für die Umsetzung der Kulturbotschaft einigte sich das Parlament auf ein Budget von 669,5 Millionen Franken für die Kreditjahre 2012 bis 2015, das sind 31,6 Millionen mehr als vom Bundesrat beantragt. Vor allem werden damit die Förderung des Heimatschutzes und der Denkmalpflege (+ 20 Millionen Franken) und die Filmförderung (+ 10 Millionen Franken) begünstigt, aber auch das Alpine Museum in Bern und das Sportmuseum in Basel werden punktuell unterstützt. Das Kulturförderungsgesetz und die Kulturbotschaft sind am 1. Januar 2012 in Kraft getreten.

Das Bundesamt für Kultur (BAK) brachte zudem zahlreiche weitere Projekte auf Kurs. Auf der Grundlage des Kulturförderungsgesetzes nahm das BAK unter anderem die Ausrichtung seiner Förderungspolitik in Angriff. Es positionierte die bestehenden eidgenössischen Preise und Auszeichnungen neu und bezog Sparten wie die Literatur, den Tanz, das Theater und die Musik mit ein.

Im Folgenden berichten wir aus der Arbeit der einzelnen Bereiche des BAK und beleuchten deren inhaltliche Schwerpunkte des Jahres 2011.

Kulturschaffen

  • An der 54. Internationalen Kunstbiennale in Venedig organisierte und betreute das BAK die beiden offiziellen Ausstellungsbeiträge der Schweiz. Die Ausstellung «Crystal of Resistance» von Thomas Hirschhorn war vom 4. Juni bis zum 27. November 2011 im Schweizer Pavillon in den Giardini, dem Gelände der Biennale, zu sehen. Das von Andrea Thal kuratierte Projekt «Chewing the Scenery» fand in und um das Teatro Fondamenta Nuove (Cannaregio) statt. Die beiden Ausstellungsbeiträge der Schweiz waren ein grosser Erfolg.
  • Der SWISS EXHIBITION AWARD der Julius Bär Stiftung und des BAK ging 2011 an Circuit, Centre d’art contemporain. Circuit erhielt die Ehrung für die Ausstellung « … avant il n’y avait rien, après on va pouvoir faire mieux. »
  • An der Ausstellung «Swiss Art Awards 2011», die parallel zur Art Basel stattfand, wurden die Arbeiten der zweiten Runde des Eidgenössischen Wettbewerbs für Kunst gezeigt. Die Eidgenössischen Preise für Kunst gingen an 32 Kulturschaffende aus den Bereichen Kunst, Architektur und Vermittlung.
  • Das BAK vergab die Prix Meret Oppenheim 2011 an die Künstlerinnen und Künstler: John M Armleder, Ingeborg Lüscher und Guido Nussbaum, an die Architektin Silvia Gmür sowie an das Architekturbüro von Patrick Devanthéry und Inès Lamunière.
  • Das BAK verlieh 2011 das letzte Mal die Eidgenössischen Preise für Kunsträume. Ausgezeichnet wurden 12 Kunsträume.
  • In der Shedhalle Zürich fand die Ausstellung «Connect. Kunst zwischen Medien und Wirklichkeit » statt. Gezeigt wurden 13 Projekte, die im Rahmen der digitalen Medienkunstförderung «Sitemapping» 2003 – 2011 vom BAK gefördert wurden. Die Ausstellung fand zum Abschluss dieses Förderprogramms statt.
  • An der Prague Quadrennial of Performance Design and Space 2011 war die Schweiz mit dem Projekt «Made of Concrete» vertreten. Auf Vorschlag der Eidgenössischen Designkommission wurde die Lausanner Künstlergruppe Körner Union eingeladen, die Schweiz zu repräsentieren.
  • Drei prämierte Bücher des Wettbewerbs «Schönste Schweizer Bücher» wurden beim internationalen Wettbewerb «Schönste Bücher aus aller Welt» der Stiftung Buchkunst in Leipzig mit je einer Silber- und Bronzemedaille sowie einem Ehrendiplom ausgezeichnet.
  • Die Eidgenössischen Preise für Design 2011 gingen an 33 Nachwuchstalente in den Kategorien Mode-/Textildesign, Fotografie, Grafikdesign, Industrie- und Produktdesign, Designvermittlung, Keramik und Szenografie.
  • Das BAK zeichnete vier international bekannte Designer mit dem Grand Prix Design 2011 aus: Produktdesigner Jörg Boner, Dimitri Bruni und Manuel Krebs vom Grafikbüro NORM, Fotograf Ernst Scheidegger und Schuhdesigner Walter Steiger.

Kultur und Gesellschaft

  • Ende Mai 2011 präsentierte das BAK die 387 lebendigen Traditionen, die von den kantonalen Kulturstellen für die Aufnahme in eine nationale «Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz» vorgeschlagen worden waren. Die Liste enthält Traditionen aus den Bereichen Musik, Tanz, Theater, Brauchtum, Handwerk, Industrie und Wissen im Umgang mit der Natur, denen in der Schweiz lokal, regional und national besondere Bedeutung zukommt. Zur Erstellung dieser Liste hat sich die Schweiz mit der Ratifizierung des UNESCO-Übereinkommens zur Bewahrung des immateriellen Kulturerbes verpflichtet. Für die Einschreibung wurden nun 167 lebendige Traditionen ausgewählt. www.bak.admin.ch/lebendigetraditionen.
  • 2011 fand das Jahr der russischen Kultur in der Schweiz statt. Im Rahmen eines Treffens von Bundesrat Didier Burkhalter mit Alexander Avdeev, Kulturminister der Russischen Föderation, wurden verschiedene Aspekte der kulturellen Zusammenarbeit zwischen den beiden Ländern erörtert. Diese Besprechung erfolgte im Zusammenhang mit der im Jahr 2009 unterzeichneten Absichtserklärung der beiden Staaten. Das Festival der russischen Kultur in
    der Schweiz wurde in Erinnerung an die Wiederaufnahme der diplomatischen Beziehungen zwischen der Schweiz und Russland vor 65 Jahren veranstaltet.
  • Mit der Ratifizierung der UNESCO-Konvention zum Schutz und zur Förderung der Vielfalt kultureller Ausdrucksformen verpflichtet sich die Schweiz dazu, alle vier Jahre einen Bericht zur Lage der kulturellen Vielfalt in der Schweiz zu erstellen. Der erste Bericht ist im April 2012 fällig. Die Konsultation der interessierten Kreise, die als Grundlage dieses Berichts dienen soll, begann im Herbst 2011. Sie wurde vom BAK in Zusammenarbeit mit dem Eidgenössischen Departement für auswärtige Angelegenheiten und der Schweizerischen UNESCO-Kommission durchgeführt.
  • 2011 fand eine weitere Fachtagung zur Prävention und Bekämpfung von Illettrismus statt. Sie wurde vom BAK und der Pädagogischen Hochschule FHNW organisiert. In der Schweiz beherrschen 15 Prozent der Erwachsenen die Grundfertigkeiten des Lesens und Schreibens nicht in ausreichendem Mass. Illettrismus ist ein gesellschaftliches Phänomen, das vielfältige Ursachen hat und auf verschiedenen Ebenen angegangen werden muss.

Film

  • 2011 stand im Zeichen der Erarbeitung der neuen Filmförderungskonzepte des Bundes für die Jahre 2012 – 2015. Die Filmbranche wurde in diesen Prozess mit einbezogen. Nebst der selektiven Herstellungsförderung wird ab 2012 die erfolgsabhängige Filmförderung finanziell gestärkt. Neben den Kinoeintritten gibt es nun auch für die Teilnahme von Schweizer Filmen an den wichtigsten Internationalen Filmfestivals Reinvestitionsgutschriften. So wird die Unabhängigkeit und Kontinuität der Filmschaffenden gestärkt wie auch die Eigenverantwortung bei der Entwicklung von Filmprojekten gefördert.
  • Das BAK bewilligte 2011 insgesamt 15 Spielfilmprojekte, 19 Dokumentarfilmprojekte und 25 Kurzfilmprojekte. Einige dieser Projekte gehen erst 2012 in Produktion. Zusätzlich konnten 12 Drehbuchbeiträge für Spielfilmvorhaben und 19 Projektentwicklungsbeiträge für Dokumentarfilme erteilt werden.
  • Der Bundesrat ernannte Ende 2011 die neuen Mitglieder der Eidgenössischen Filmkommission wie auch der Fachkommission Film. Die langjährige Präsidentin Monika Weber übergab ihr Amt an die Regierungsrätin des Kantons Jura, Elisabeth Baume-Schneider.
  • Im Rahmen der Umrüstung der Filmprojektionstechnik vom analogen in das digitale Format für die Erhaltung der Angebotsvielfalt wurden dank der engen Zusammenarbeit mit der Kinobranche insgesamt 62 Kinosäle umgerüstet. Dieses Engagement zeigte bereits einen positiven Effekt. Die Mittelstadt- und Landkinos verzeichneten eine Zunahme um 10 Prozent bei den Eintritten, wogegen die Stadtkinos einen leichten Rückgang hinnehmen mussten.
  • Das Schweizer Drama «Der Verdingbub» stand klar an der Spitze der Top 30 Schweizer Filme. Er zählte doppelt so viele Besucher wie der zweitplatzierte Film «La Petite Chambre». Die Westschweizer Produktion wurde als Bester Spielfilm mit dem «Quartz 2011» ausgezeichnet. Gut liefen auch die kritische Ausschaffungs-Dokumentation «Vol Spécial» und der erste Schweizer 3D-Horrorfilm «One Way Trip». «Summer Games», gefeiert an den Filmfestspielen von Venedig, platzierte sich im zweiten Drittel der Top 30 Schweizer Filme. Mit über 210 000 verkauften Eintritten machte die Sparte Dokumentarfilm unter den 30 eintrittsstärksten Filmen gegenüber der Sparte Fiktion mehr als einen Drittel aus.

Heimatschutz und Denkmalpflege

  • Als Fachbehörde des Bundes für die Bereiche Archäologie, Denkmalpflege und Ortsbildschutz erstellte das BAK 2011 150 Gutachten und Stellungnahmen und mandatierte in 203 Fällen unabhängige Experten zur Beratung der Kantone.
  • Das BAK sprach Beiträge zur Restaurierung von insgesamt 172 schützenswerten Objekten und unterstütze 37 archäologische Massnahmen. Es sprach Gelder an Forschungsvorhaben und gemeinnützige Organisationen.
  • Der Bundesrat setzte 2011 die revidierten Aufnahmen des Inventars der schützenswerten Ortsbilder der Schweiz von nationaler Bedeutung ISOS für die Kantone Basel-Stadt und Jura in Kraft. Im Berichtsjahr konnten Doppelbände des Inventars publiziert werden: Rheintal Sarganserland (SG 2.1 und 2.2.); Toggenburg See-Gaster (SG 3.1 und 3.2); République et canton du Jura (sites A-D; sites E-Z).
  • Unter der Leitung des BAK wurde 2011 weltweit erstmals für ein ganzes Land ein umfassendes Inventar zu historischen Seilbahnen erstellt. Das Verzeichnis kategorisiert den Seilbahnbestand nach technikgeschichtlichen, kultur- und wirtschaftshistorischen Kriterien und zeigt die Pionierrolle der Schweiz auf www.seilbahninventar.ch.
  • Die 18. Europäischen Tage des Denkmals, die im Auftrag des BAK von der Nationalen Informationsstelle für Kulturgütererhaltung NIKE koordiniert wurden, waren dem Thema «Im Untergrund » gewidmet und zogen in der ganzen Schweiz 50 000 Besucher an.
  • Das BAK führte 2011 die transnationale Kandidatur «Prähistorische Pfahlbauten um die Alpen» zur Einschreibung auf die Liste des Welterbes der UNESCO. Sie umfasst eine Auswahl von 111 der rund 1 000 bekannten archäologischen Pfahlbaustationen in sechs Ländern um die Alpen (Schweiz, Deutschland, Frankreich, Italien, Österreich und Slowenien). Die iPhone-Applikation «Palafittes Guide» bietet umfangreiche Informationen über das neue UNESCO-Welterbe.

Museen und Sammlungen

  • Der Bundesrat genehmigte Ende 2011 die Revision des Reglements der Gottfried Keller-Stiftung. Der Zweck der Gottfried Keller-Stiftung, der Erwerb von Kunstwerken, soll damit gestärkt werden. Dafür wurden die entsprechenden Verordnungsgrundlagen geschaffen. Der Erwerbsentscheid soll weiterhin in die Zuständigkeit der Kommission der Gottfried Keller-Stiftung fallen. Die Verwaltung der Sammlung hingegen wird neu vom BAK wahrgenommen. Zweck ist, Synergien zu utzen und bestehende Doppelspurigkeiten zu vermeiden.
  • Im Auftrag des Bundesrats veröffentlichte das BAK den «Bericht EDI/EDA über den Stand der Arbeiten im NS-Raubkunstbereich, insbesondere im Bereich Provenienzforschung». Das im Internet zugängliche Dokument enthält die Zusammenfassung einer Umfrage bei 551 Schweizer Museen zum Stand der Provenienzforschungen sowie die Resultate der zwischenstaatlichen «Holocaust Era Assets Conference» von Prag.
  • Vier präkolumbische Objekte aus einer Schweizer Privatsammlung wurden durch die Vermittlung der Fachstelle internationaler Kulturgütertransfer an die chilenische Regierung zurückgegeben. Auf Initiative des Antikenmuseums Basel wurde im Beisein eines Vertreters des BAK ein Grabrelief aus der fünften Dynastie (ca. 2500 v. Chr.) den ägyptischen Behörden übergeben. Das Objekt stammte aus einem Diebstahl in einem ägyptischen Antikenlager.
  • Seit April 2011 ist die Vereinbarung zur Sicherung des beweglichen kulturellen Erbes zwischen der Schweiz und Ägypten in Kraft, seit August die Vereinbarung zugunsten des beweglichen kulturellen Erbes zwischen der Schweiz und Kolumbien. Damit verbessert sich der Schutz dieser Kulturgüter. Die Vereinbarung umfasst archäologische Altertumsfunde bis ca. 1 500 A.D., die besonders von Plünderungen betroffen sind. Die Fachstelle internationaler Kulturgütertransfer ist für den Vollzug in der Schweiz verantwortlich.

Personelles

  • Die Sektion Kultur und Gesellschaft wurde bis Ende 2011 ad interim von David Vitali geleitet. Ab 1.1.2012 wird die Leitung definitiv von David Vitali wahrgenommen.
  • Mitte 2011 übernahm Ivo Kummer die Leitung der Sektion Film und leitete eine Reorganisation des Dienstes Filmförderung ein, die 2012 umgesetzt wird. Dabei wurden die beiden Dienste selektive und erfolgsabhängige Filmförderung zusammengeführt sowie die Filmkultur als zweites Portal transparenter dargestellt.
  • Oliver Martin trat die Nachfolge von Johann Mürner als Leiter der Sektion Heimatschutz und Denkmalpflege per 1. Januar 2012 in einem ersten Schritt ad interim und ab 1. Juni 2012 definitiv an. Nina Mekacher wurde als tellvertretende Leiterin der Sektion und Verantwortliche des Dienstes Grundlagen und Finanzen ernannt. Johann Mürner liess sich vorzeitig teilpensionieren, wird jedoch weiterhin als Berater tätig sein.

Abschliessend ein Dankeschön an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des BAK für ihren Einsatz. Beim Bundesrat, dem Parlament, dem Generalsekretariat des Eidgenössischen Departements des Innern und der Finanzverwaltung bedanken wir uns für die Unterstützung sowie das in uns gesetzte Vertrauen.


Jean-Frédéric Jauslin
Direktor

Bern, Januar 2012


Zuletzt aktualisiert am: 05.07.2012

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Typ: PDF
05.07.2012 | 922 kb | PDF


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