Trinationale Kandidatur des Alpinismus für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO

Die Schweiz ist an der Kandidatur des Alpinismus für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit beteiligt, die am 29. März 2018 bei der UNESCO eingereicht wurde. Das Dossier wird von Frankreich betreut und wurde gemeinsam von italienischen, französischen und Schweizer Bergsteiger- und Bergführervereinen erstellt. Die Beteiligung der Schweiz wurde vom Schweizer Alpenclub und dem Schweizer Bergführerverband mit der Unterstützung des Bundesamts für Kultur initiiert.

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Abstieg Obergabelhorn (4063m), 4. August 2012

Der Alpinismus und das immaterielle Kulturerbe

Der Alpinismus wird unter Hervorhebung der Praktiken, der Werte und der Weitergabe von Kenntnissen innerhalb einer grossen Gemeinschaft von Alpinistinnen und Alpinisten als Teil des immateriellen Kulturerbes präsentiert. Der Alpinismus wird definiert als körperliche und kulturelle Aktivität, in deren Rahmen unter Einsatz der geeigneten Techniken sowie einer sehr spezifischen Ausrüstung eigenständig Gipfel und Wände in Fels- oder Gletschergelände im Hochgebirge bestiegen werden. Er charakterisiert sich durch eine von den Ausübenden geteilte Kultur von spezifischem Wissen (Kenntnisse der alpinen Umwelt, der Geschichte der Praktiken und der damit verbundenen Werte) und Fähigkeiten (Beherrschung der Aufstiegstechniken, Umgang mit der geeigneten Ausrüstung: Seil, Pickel und Steigeisen).

Der Alpinismus beruht überdies auf Formen der menschlichen Interaktion, die für die Motivation der Ausübenden und den Aufstieg von wesentlicher Bedeutung sind. Abends in den Berghütten geben die Alpinisten und Alpinisten ihr Wissen und ihre Erfahrungen weiter, namentlich durch den Austausch von Tourenberichten. Ein weiteres wichtiges Element in der Welt der Bergsteigerinnen und Bergsteiger ist der "Geist der Seilschaft". Die Seilschaft bezeichnet sämtliche Alpinistinnen und Alpinisten, die beim Aufstieg mit einem Seil miteinander verbunden sind. Diese physische Verbindung ist nichts weiter als die Materialisierung des solidarischen Geistes, der von den Aufstiegspartnern ein hohes Mass an Einvernehmen und gemeinsamer Verantwortung erfordert, sowohl in schwierigen Situationen als auch bei den Gipfelerfolgen.

Kandidatur

Der Alpinismus wurde bei deren Aktualisierung im Sommer 2017 in die "Liste der lebendigen Traditionen in der Schweiz" aufgenommen: Die Aufnahme einer Tradition in das nationale Inventar ist eine Voraussetzung für eine UNESCO-Kandidatur.

Die Kandidatur des Alpinismus wird von einer transnationalen Gemeinschaft von Alpinistinnen und Alpinisten getragen. Die Alpenclubs und die Bergführervereine der drei Länder haben dieses Dossier vorangetrieben, um die Zusammenarbeit und den Erfahrungsaustausch im Alpenraum zu stärken und auszubauen. Die UNESCO fördert multinationale Kandidaturen, da es diese erlauben, Elemente hervorzuheben und zu schützen, die Gemeinschaften über die Landesgrenzen hinaus betreffen. Ins Leben gerufen wurde diese Kandidatur von Frankreich und Italien, die Schweiz hat sich 2017 daran beteiligt.

Die schweizerische Beteiligung an der Kandidatur des Alpinismus ist eine Zusammenarbeit zwischen dem Schweizer Alpen Club, dem Schweizer Bergführerverband, dem Centre régional d’étude des populations alpines und dem Bundesamt für Kultur. Das Dossier wurde am 29. März 2018 von Frankreich eingereicht: Die UNESCO wird voraussichtlich im November 2019 darüber entscheiden.

Weitere Informationen

Alpinismus auf der Website "Lebendige Traditionen in der Schweiz"

Fachkontakt
Letzte Änderung 04.04.2018

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Kontakt

Bundesamt für Kultur
Sektion Kultur und Gesellschaft
Julien Vuilleumier
Hallwylstrasse 15
3003 Bern

Telefon +41 58 467 89 75

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