Vorschlagsliste des immateriellen Kulturerbes in der Schweiz

Einführung

Auf Empfehlung einer Expertengruppe hat der Bundesrat im Oktober 2014 acht lebendige Traditionen als Kandidaturen für die UNESCO-Listen des immateriellen Kulturerbes ausgewählt. Die Traditionen finden sich auch in der „Liste der lebendigen Traditionen der Schweiz" und werden hier in Wort und Bild beschrieben.

Die Kandidaturen werden im Laufe der nächsten Jahre sukzessive der UNESCO vorgeschlagen. In der Regel soll pro Jahr ein Dossier eingereicht werden. Die hier genannten Titel sind provisorisch. Titel und Inhalt der Dossiers werden zusammen mit den betroffenen Trägerinnen und Trägern der Traditionen erarbeitet.

Schweizer Kandidaturen auf die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes

Winzerfest

Am 30. März 2015 wurde die Kandidatur des Winzerfests von Vevey der UNESCO für eine Aufnahme in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit vorgelegt. Es handelt sich um die erste Schweizer Kandidatur im Rahmen des UNESCO-Übereinkommens zur Erhaltung des immateriellen Kulturerbes.

Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat am 01.12.2016 an seiner elften Sitzung in Addis Abeba (Äthiopien) entschieden, das Winzerfest in Vevey in die Repräsentative Liste einzutragen.

Basler Fasnacht

Die Basler Fasnacht wurde vom Bundesamt für Kultur BAK als zweite Kandidatur der Schweiz für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht. Das Dossier wurde am 31. März 2016 bei der UNESCO deponiert.
Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat am 07.12.2017 an seiner zwölften Sitzung in Jeju (Korea) entschieden, die Basler Fasnacht in die Repräsentative Liste einzutragen.

Umgang mit der Lawinengefahr

Die Tradition „Umgang mit der Lawinengefahr" wurde vom Bundesamt für Kultur BAK als dritte Kandidatur der Schweiz für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht. Das Dossier wurde am 31. März 2017 bei der UNESCO deponiert. Das Zwischenstaatliche Komitee für die Bewahrung des immateriellen Kulturerbes hat am 29.11.2018 an seiner dreizehnten Sitzung in Port-Louis (Mauritius) entschieden, den Umgang mit der Lawinengefahr in die Repräsentative Liste einzutragen.

Uhrmacherhandwerk

Das Handwerk der Uhrmacherkunst ist charakteristisch für den Erfolg der Schweizer Industrie und die Grundlage für die Uhrmacherkunst als Kulturerbe. Diese Kandidatur unterstreicht die Rolle von Ausbildung und Handwerk, die nach wie vor unentbehrlich sind, wenn es um Innovation und technische Präzision geht. Ein Schwerpunkt liegt auch auf der lokalen Tradition in Sainte-Croix zur Herstellung von Musikautomaten und Spieldosen, die ein breitgefächertes Wissen umfasst.

Schweizer Grafikdesign und Typografie

Das Schweizer Grafikdesign- und Typografieschaffen wurde von verschiedenen Kunstrichtungen des 20. Jahrhunderts geprägt, insbesondere vom Bauhaus und dem Konstruktivismus. Die Tradition illustriert die Meisterschaft der Schweiz bei der Entwicklung von Schriftarten und visueller Kommunikation. Anhand der Kandidatur lässt sich die Bedeutung der dualen Berufsbildung thematisieren und die Aktualität eines Kulturerbes aufzeigen, das nicht auf eine lokale Realität beschränkt ist, sondern sich im informellen Austausch auf internationaler Ebene entwickelt.

Schweizer Alpsaison

Die Tradition der Schweizer Alpsaison gehört zum sommerlichen Kulturerbe des Alpenraums. Sie veranschaulicht die wirtschaftliche und kulturelle Rolle der Schweizer Landwirtschaft und die damit verbundenen Herausforderungen. In kultureller Hinsicht umfasst die Schweizer Alpsaison zahlreiche handwerkliche Kenntnisse und gesellschaftliche Praktiken (Lieder, Erzählungen, Alpaufzüge und Alpabzüge sowie die dazugehörigen Feste), die tief in der kollektiven Identität der vier Sprachregionen der Schweiz verankert sind. Sie thematisiert die Beziehung zwischen Mensch und Natur, namentlich in Bezug auf Landschaftserhaltung und nachhaltige Entwicklung.

Jodel

Diese Tradition gehört zum musikalischen Kulturerbe der Schweiz, das seinerseits eng mit dem Kultur- und Vereinsleben verbunden ist. Das Jodeln umfasst zahlreiche verschiedene Stilrichtungen und erfährt eine ständige Erneuerung, unter anderem im Austausch mit anderen Musikgattungen. Die altüberlieferte Stimmtechnik, die ursprünglich zur Verständigung über weite Strecken verwendet wurde (Naturjodel), kann mit Singpraktiken in anderen Ländern verglichen werden. Eine gemeinsame Kandidatur zusammen mit anderen Regionen des Alpenbogens mit ähnlichen Traditionen ist denkbar.

Die Prozessionen der Karwoche in Mendrisio*

Die Prozessionen der Karwoche in Mendrisio gehören zu den wichtigsten Festen der italienischen Schweiz und sind seit dem 17. Jahrhundert belegt. Sie finden an Gründonnerstag und Karfreitag statt und erinnern an das letzte Abendmahl Jesu und seiner Jünger sowie an die Kreuzigung. Neben ihrer religiösen Funktion haben die Prozessionen auch eine handwerkliche und künstlerische Komponente. Sie werden illuminiert durch kunstvoll mit symbolischen oder biblischen Motiven bemalte Leuchtbilder („trasparenti"), die entlang der Prozessionsroute aufgehängt werden. Einige dieser Bilder sind über hundert Jahre alt und werden neben neueren Werken noch heute benutzt.

* Dossier bei der UNESCO eingereicht, Prüfungsverfahren läuft

Medienmitteilung

Die Prozessionen der Karwoche in Mendrisio wurden vom Bundesamt für Kultur BAK als vierte Kandidatur der Schweiz für die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit eingereicht. Das Dossier wurde am 27. März 2018 bei der UNESCO deponiert.

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