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Gewinner 2026

Nadja Räss - Jodlerin und Kulturvermittlerin mit Wurzeln und Weitblick

Schweizer Grand Prix Musik 2026

Nadja Räss ist Sängerin, Gesangspädagogin und Netzwerkerin. Die 1979 geborene, in Einsiedeln aufgewachsene Musikerin gehört zu den prägendsten Stimmen der Schweizer Jodelkultur. Aus einem volksmusikaffinen Elternhaus stammend, stand für sie früh fest, Jodlerin zu werden.

Nach dem klassischen Gesangsstudium wandte sich Räss ganz ihrer Leidenschaft zu und entwickelte ein Repertoire, das von mündlich überlieferten Naturjodeln bis zu neuen Kompositionen reicht. Mit Markus Flückiger (Sälbander), Willi Valotti, Rita Gabriel Schaub, der Formation Alderbuebe oder im Trio mit Outi Pulkkinen aus Finnland und Mariana Sadovska aus der Ukraine eröffnet die Schwyzerin regelmässig Räume, in die sie auch ihre Studierenden miteinbezieht. Als Solistin trat sie mit dem St. Galler Sinfonieorchester oder dem Swiss Orchestra auf und übernahm 2015 die Leitung des Jodelklubs Waldstatt Echo Einsiedeln.

Von 2012 bis 2018 war Nadja Räss Intendantin der Klangwelt Toggenburg. Eine prägende Phase, in der aber das Musizieren zu kurz kam. Seit 2018 amtet sie als Professorin für Jodel und Volksmusik-Fachverantwortliche an der Hochschule Luzern – eine Tätigkeit, die sie ebenso passioniert ausführt wie die eigene Kunst. Ihr Credo: Wer lehrt, muss selbst lernend bleiben. Neugierig bleiben heisst, Neues entdecken.

Räss war zudem massgeblich daran beteiligt, dass das Jodeln in die UNESCO-Liste des immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurde. 2025 erhielt sie den Goldenen Violinschlüssel, die höchste Auszeichnung der Schweizer Volksmusik. Stillstand kennt die Sängerin nicht: 2026 stehen unter anderem eine Uraufführung mit dem Swiss Orchestra sowie eine Solistinnenrolle in der Kantate Dorothea an, dazu Lehrkurse und der Eurovox-Kongress für Stimmexpertinnen und -experten in Luzern. Oder wie Nadja Räss ihre Schaffenskraft einst selbst umschrieb: «Ein Baum, der tiefe Wurzeln hat, kann auch viele Früchte tragen.»

Auszug Jurybegründung

Ihre Fähigkeit, Brücken zwischen regionalen Traditionen, aktuellen künstlerischen Ausdrucksformen und internationalen Perspektiven zu schlagen, macht sie zu einer wichtigen Gestalt der Schweizer Musik. Als erste Grand Prix Musik-Trägerin aus dem Feld der Schweizer Volksmusik wird ihr langjähriges Engagement in besonderer Weise sichtbar.

Schweizer Musikpreise

Domi Chansorn – Musizieren mit der Hingabe eines spielenden Kindes

Domi Chansorn komponiert, produziert und spielt zahlreiche Instrumente. 1988 in Huttwil geboren, bewegt sich das Multitalent zwischen den unterschiedlichsten Genres und sucht in jedem davon die gleiche Essenz: den ehrlichen, ungeschützten Moment. Das Schlagzeug wurde zum wichtigsten Instrument und Mittel der Selbstheilung.

Mit 14 folgte ein Stipendium nach New York City, fortan galt der Fokus ganz dem Musizieren. Zahlreiche weitere Auszeichnungen kamen hinzu, unter anderem 2024 das Werkjahr der Stadt Zürich, die Wohn- und Kreativort bildet. Parallel fanden über die Jahre hinweg Touren sowie Konzerte statt mit Sophie Hunger, Bonaparte, Fred Frith oder Colin Vallon. Auf der Bühne wirbelt Domi Chansorn ab dem ersten Ton wie ein Tornado und zugleich in Trance. Der Antrieb: Das Vertrauen in den eigenen Weg kultivieren. 2026 erscheinen neue Werke mit diversen Schweizer Musikpreistragenden (u. a. Béatrice Graf, Tapiwa Svosve, Ganesh Geymeier). Für 2027 ist ausserdem das zweite Soloalbum geplant, das erste – hoppalulu bum – reifte über zehn Jahre im eigenen Studio und erschien 2022.

Die Arbeit richtet sich dabei zunehmend auf die eigene künstlerische Praxis aus, stets Tiefe suchend, selbst wenn der Pfad dadurch steiniger wird.

Auszug Jurybegründung

Dieser Preis würdigt Domi Chansorns herausragende musikalische Qualität, unbestrittene Ausstrahlung in der Schweizer Musikszene, Vielseitigkeit und künstlerischen Mut.

Ensemble ö! – Neugier und Konsequenz im Universum der Neuen Musik

Das Ensemble ö! widmet sich seit über zwei Jahrzehnten der zeitgenössischen Musik und eröffnet neue Welten. 2002 in Chur von David Sontòn Caflisch gegründet, hat es die Neue Musik in einer Region verankert, in der sie zuvor kaum existierte. Heute zählt das Ensemble 13 Mitglieder und gehört zum festen Bestandteil der Schweizer Szene.

Die Programme bilden jeweils ein geschlossenes Ganzes und verbinden Kompositionen über thematische Schwerpunkte zu einer Gesamtdramaturgie. Die Zusammenarbeit mit verschiedenen Komponistinnen und Komponisten sowie die Wiederaufnahme von Werken sind dem Ensemble ein zentrales Anliegen. 2019 gründete ö! die Biennale Tuns Contemporans, die es gemeinsam mit der Kammerphilharmonie Graubünden organisiert. Auftritte führten das Ensemble unter anderem an die Münchener Biennale, ans London Ear Festival und ans Festival Archipel Genf. 2026 startet es eine Sommerakademie mit ComposersLab in seiner Heimatregion und gibt ein Gastspiel am Festival Label Suisse.

Als die Idee eines zeitgenössischen Ensembles in Graubünden entstand, hiess es, das interessiere niemanden. Das Ensemble ö! beweist bis heute das Gegenteil: mit Neugier und Konsequenz.

Auszug Jurybegründung

Das Ensemble ö! ist stark in Graubünden verankert, tritt gleichzeitig schweiz- und europaweit auf und hat sich als einer der wichtigsten Akteure der zeitgenössischen Musik in der Schweiz etabliert.

Esther Hoppe – Geigerin zwischen Musik und Mensch

Esther Hoppe stellt die Musik in den Vordergrund, nicht sich selbst. Die 1978 in Zug geborene Geigerin verfolgt seit über zwei Jahrzehnten eine internationale Karriere als Solistin, Kammermusikerin und Pädagogin. Ihre Werte gründen auf Klarheit, Geduld sowie der Überzeugung, dass Ehrlichkeit im Spiel wichtiger ist als Gefälligkeit. Die zentrale Stütze bei alledem: ihre Familie.

Hoppe studierte in Basel, Philadelphia, London und Zürich und gewann unter anderem den Internationalen Mozart-Wettbewerb Salzburg und den ARD-Wettbewerb München. Ihre Gesamtaufnahme der Solowerke für Violine von J. S. Bach fand weltweit grosse Resonanz. Seit 2013 unterrichtet sie als Professorin für Violine am Mozarteum Salzburg, wo sie ihr Wissen an eine neue Generation weitergibt.

2025 übernahm Hoppe die künstlerische Leitung der Camerata Zürich und kehrte damit in die Schweiz zurück. Inspiration findet sie in Begegnungen mit Menschen, in der Natur und im Beobachten anderer Kunstformen. Keine Woche sieht bei ihr gleich aus. Was bleibt, ist der Antrieb, Musik so direkt wie möglich erlebbar zu machen.

Auszug Jurybegründung

Als Interpretin auf höchstem Niveau geniesst Esther Hoppe in der Klassikszene grosse Anerkennung und ist Brückenbauerin zwischen Bühne und Lehre.

Flèche Love – Experimentallabor und persönliche Heilung

Flèche Love ist das Hauptprojekt von Amina Cadelli. 1990 in Genf geboren und geprägt von amazighischen Wurzeln, beschreibt sich Cadelli als lebendes Experimentallabor: Elektronik, Gesang, Tanz und Performance ergeben ein Werk, das jeder Einordnung entrückt. Die drei bisher veröffentlichten Alben enthalten Musik auf Französisch, Englisch, Arabisch und Spanisch, eine neue Platte ist für 2027 geplant. Authentizität und Integrität durchziehen das gesamte Schaffen.

Cadelli sang am Konservatorium klassisches und barockes Repertoire, improvisierte bei Jazz-Sessions und studierte Ethnologie und Religionswissenschaften in Neuchâtel. Prägend war auch der Austausch mit Sänger Rachid Taha, an dessen posthumem Album Je suis africain Cadelli mitwirkte.

2017 entstand das Soloprojekt Flèche Love. Thematisch kreist die Arbeit um Heilung, Wiederverbindung, Feminismus und die Frage, was es heisst, zwischen Kulturen zu leben. Die Wissenschaft, insbesondere Astrophysik und Ethologie, bildet dabei einen ebenso wichtigen Bezugspunkt wie die Liebe zum Absurden.

Auszug Jurybegründung

Seit mehreren Jahren international als urbane, unabhängige und facettenreiche Künstlerin unterwegs, erfährt Flèche Love zunehmend Anerkennung – eine Wertschätzung, die nun endlich auch in ihrem Heimatland mit einem Schweizer Musikpreis gewürdigt wird.

Louis Schild – Hyperaktiver des Klangs

Louis Schild ist Bassist, Komponist und Performer. Der 1991 in Neuchâtel geborene und in Lausanne lebende Musiker verbindet Improvisation, Noise, Rock und zeitgenössische Musik. Ein Hyperaktiver des Klangs, stets begleitet von seinem schwarzen Sadowsky-E-Bass.

Er performt unter anderem mit Jacques Demierre, Louis Jucker sowie der Bieler Band Puts Marie und prägte als Teil des Quartetts Straccia Mutande die freie Szene. Über die Musik hinaus pflegt Schild Kollaborationen mit der Choreografin Cindy Van Acker und betreibt in Lausanne den Espace Echallens 13 für Konzerte, Ausstellungen und Vorträge. Kommende Projekte bilden eine Zusammenarbeit mit der Tänzerin Mélissa Guex, eine Tournee mit Remords und ein neues Album mit Le Recueil des Miracles.

Sein Schaffen pendelt dabei zwischen zwei Polen: einerseits die Auseinandersetzung mit Soundphänomenen und Spielweisen, andererseits die Reflexion gesellschaftlicher Themen.

Auszug Jurybegründung

Als grenzenloser Improvisator und Klang- und Raumkünstler verteidigt Louis Schild entschlossen eine andere Art, zu leben und zu schaffen. Dieser Musikpreis würdigt die Breite seiner experimentellen Arbeit, die Entschlossenheit seiner Klangforschung und sein grosses Engagement für das Kollektiv.

Patricia Draeger – Akkordeonistin zwischen den Kulturen

Patricia Draeger ist seit Jahrzehnten zwischen Volksmusik, Jazz und den Klängen weiterer musikalischer Traditionen unterwegs. Die 1964 in Zug geborene Akkordeonistin versteht ihr Instrument als verbindendes Element: Sie schafft Flächen, Sounds und Atmosphären, über die sich Musikerinnen und Musiker diverser Kulturen zu einem gemeinsamen Ganzen verbinden.

In einem musikalischen Elternhaus aufgewachsen, begann Draeger mit vier Jahren Akkordeon zu spielen. Bald kamen Klavier und Querflöte hinzu. Ihr Weg führte sie über Studien in zeitgenössischer Musik und Aufenthalte in Amsterdam zur Neuen Volksmusik von Hans Kennels Alpine Experience und durch Europa mit dem von Yehudi Menuhin geförderten Trio Avodah sowie durch Asien mit Heiri Känzigs Tien-Shan-Express. Mit Albin Brun besteht seit über 20 Jahren eine enge Zusammenarbeit, durch Corin Curschellas lernte sie die rätoromanische Volksliedtradition kennen. Weitere wichtige Namen sind Christy Doran, Isa Wiss, Sina und natürlich ihr Mann: der Akkordeonist Sergej Simbirev, mit dem sie über 30 Jahre verheiratet ist.

Ein Atelieraufenthalt in Kairo wurde zur Schlüsselerfahrung für Draeger und führte zur Gründung ihres Ensembles Ala Fekra, einer Kollaboration mit ägyptischen Musikern. Im Dezember 2026 stellt das Ensemble die zweite CD vor.

Entschleunigung und Ruhe findet Patricia Draeger in der Natur, die sie als wichtigste Inspiration neben der Musik bezeichnet.

Auszug Jurybegründung

Patricia Draeger ist eine musikalische Grenzgängerin, stets auf Augenhöhe und fern von folkloristischem Exotismus.

Ruedi Häusermann – Erfinder einer musiktheatralischen Sprache

Ruedi Häusermann ist Musiker, Komponist und Regisseur. 1948 in Lenzburg geboren, hat er über Jahrzehnte eine Kunstform entwickelt, die geschriebene Musik und Improvisation mit szenischen Ideen verbindet. Zentral: eine Grundatmosphäre des Gutaufgelegtseins.

Zur Klarinette kam Häusermann über die Kadettenmusik. Seit seiner Kindheit begeisterte er sich für Jazz und spielte schon als Kantonsschüler in Pepe Lienhards erster Bigband. Es folgten ein Studium in Ökonomie, dann in Musik mit Schwerpunkt Querflöte. Seit den 1990er-Jahren realisiert der Aargauer Musiktheaterarbeiten, unter anderem am Burgtheater Wien, an der Volksbühne Berlin sowie an den Münchner Kammerspielen. Häusermanns Klavier- und Streichquartette ziehen sich dabei als roter Faden durch sämtliche seiner Werke.

Inspirationsquellen bilden Menschen, insbesondere die Welt der Kinder, und die Natur rund um sein Atelier auf dem Goffersberg. Bis heute lebt Ruedi Häusermann mit der Familie in Lenzburg, wo er die Konzertreihe «Zwischenräume» für improvisierte Gegenwartsmusik veranstaltet. Aktuell ist am Schauspielhaus Zürich das jüngste Häusermann-Stück zu sehen mit dem Titel «Du denkst vielleicht, was hör ich da, und ich sage dir – es ist die Waschmaschine». Der leise Humor bleibt der ständige Begleiter der Ernsthaftigkeit.

Auszug Jurybegründung

Ruedi Häusermann verzaubert sein Publikum. Verlässt man seine Aufführung, klingt die Welt plötzlich wieder ein bisschen versöhnlicher.

Spezialpreise Musik

Café Bar Mokka – Ein Thuner Planet, wo Subkultur ihr Zuhause fand

Die Café Bar Mokka in Thun ist seit 1986 ein unabhängiger Kulturort abseits des Mainstreams. Im Kern steht eine bis heute aktuelle Frage: Wo finden Menschen einen Raum, in dem sie einfach sein dürfen, ohne sich erklären zu müssen?

Über 6000 Konzertabende wurden bisher veranstaltet mit Acts von Element of Crime und Fettes Brot über Sophie Hunger sowie Fatoumata Diawara bis zu Stiller Has oder Züri West. Das Mokka ist dabei nicht nur Veranstaltungsort, sondern auch sozialer Raum: ein Nährboden für Sound und Subkultur, geprägt von DIY-Ethos, Gastfreundschaft und dem Herzblut seines 2016 verstorbenen Gründers MC Anliker. Das heutige Team führt diese Haltung weiter. Kultur entsteht hier durch Menschen, Bauchgefühl und Leidenschaft, und die Community ist stärker als Einzelinteressen. Das zeigt sich auch im Programm: Neben dem regulären Konzertbetrieb werden kontinuierlich Projekte und Formate entwickelt. Für den Sommer 2026 ist das Festival «Am Schluss» in seiner 21. Ausgabe geplant, anschliessend interpretiert Baze das Repertoire von Züri West im hauseigenen Garten. Im September folgen Zusammenarbeiten mit Grand Hotel van Cleef und der Mühle Hunziken.

So bleibt die Café Bar Mokka ein Ort, der sich treu ist und zugleich nie wiederholt. Stets unter dem Motto: «Wir waren hier und es hat uns gegeben.»

Auszug Jurybegründung

Das Mokka ist mehr als ein Lokal. Als lebendiger, resilienter Ort der Kultur wird es für sein Wirken für eine freie und kompromisslose Musik ausgezeichnet.

Intakt Records – Musikhaus für Jazz und grenzüberschreitende Musik

Seit 1986 initiiert das Zürcher Label Intakt Records Veröffentlichungen in der Schweiz, Europa und den USA. Der Katalog umfasst heute über 455 Releases. Sparten gibt es keine: Akustische und elektroakustische Musik, Jazz, Rock, Neue Musik finden gleichberechtigt Platz und sind Herzensangelegenheiten.

Gegründet von Patrik Landolt und Rosmarie Meier, entstand Intakt aus einer konkreten Notwendigkeit: Kein Verlag wollte das Konzert von Irène Schweizer (Grand Prix Musik 2018) am Taktlos-Festival auf Platte herausbringen. Also wurde Intakt Records lanciert und selbst veröffentlicht. Heute begleitet ein vierköpfiges Team um Florian Keller Musikschaffende langfristig und über Generationen. Das bedeutet nicht «nur» einzelne Alben, sondern ganze Wege: von weiteren Schweizer Musikpreisträgerinnen wie Sylvie Courvoisier (Grand Prix Musik 2025) über Fred Frith sowie Elliott Sharp bis zu James Brandon Lewis und Ingrid Laubrock.

2026 feiert das Label sein 40-jähriges Bestehen mit 16 neuen Produktionen und Jubiläumskonzerten in Basel, Zürich, Schaffhausen und Biel/Bienne. Dabei zeigt sich einmal mehr: Intakt Records ist und war nie ein Elfenbeinturm, sondern dort, wo Musik politische und gesellschaftliche Fragen mitdenkt.

Auszug Jurybegründung

Intakt ist Label, aber auch Veranstalter sowie Botschafter und trägt Jahr für Jahr dazu bei, dass der aktuelle Jazz und die zeitgenössische Musik dokumentiert werden und sich die Schweizer Szene international vernetzen kann.

La Via Lattea – Musikalische Pilgerreisen mit der Landschaft als Schauplatz

La Via Lattea steht für ein kulturelles Projekt zwischen Musik und Disziplinen wie Theater, Literatur oder Film im ständigen Dialog mit dem Territorium. 2004 vom Tessiner Komponisten Mario Pagliarani im Rahmen seines Teatro del Tempo gegründet, schafft es Hörerlebnisse an ungewöhnlichen Orten zu ungewohnten Zeiten.

Das Format ist ein Parcours, der zu Fuss zurückgelegt wird: Konzerte, Lesungen, Performances finden in Wäldern, Feldern, Gruben, auf Brücken oder in Gebäuden von architektonischem Interesse statt. Die aus der Schweiz und der weiteren Welt anreisenden Teilnehmenden – «Viandanti» genannt – wirken als Pilgerschaft an der Partitur mit, die Programme sind wie Kompositionen konzipiert, die Landschaft bildet den Schauplatz. Zwischen den Stationen wird gewandert, diskutiert, zugehört wie auf einem Pilgerweg. Die Frage, die La Via Lattea durchzieht, könnte lauten: Gibt es eine geheime Beziehung zwischen Musik und Universum?

So entsteht ein Zusammenspiel von Kultur und Natur, das die Wahrnehmung für zeitgenössische wie historische Schöpfungen schärft. Stets unterwegs, auf Entdeckung der Musik und von sich selbst: die Welt als grosse Partitur, wo alle gleichzeitig komponierend und interpretierend mitwirken.

Auszug Jurybegründung

Die stetige Entwicklung dieses Festivals, das sich auf Kontinuität und konkrete Wirkung vor Ort stützt, macht es zur festen Grösse in der Tessiner Kulturlandschaft und zum Modell dafür, wie künstlerisches Erforschen neue Formen der Teilhabe erschaffen kann.

Bundesamt für Kultur

Céline-Giulia Voser
Sektion Kulturschaffen
Musik
Hallwylstrasse 15
3003 Bern