Jury
Eidgenössische Jury für Darstellende Künste
Die Eidgenössische Jury für Darstellende Künste setzt sich aus neun Mitgliedern zusammen. Präsidentin der Jury ist Simone Toendury. Die weiteren Mitglieder sind Anne Bisang, Anne Davier, Sonja Eisl, Petra Fischer, Johanna Hilari, Andreas Klaeui, Gabriel Schenker und Simon Waldvogel. Sie verfügen über breit gefächerte Erfahrungen und Kompetenzen im Bereich der Darstellenden Künste und repräsentieren die verschiedenen Sprachregionen der Schweiz. Die Mitglieder werden auf zwei Jahre gewählt und können maximal sechs Jahre im Amt bleiben.
Simone Toendury
Jurymitglied seit 2022, Präsidentin seit 2024
Simone Toendury (1972) ist für die Akquise und Entwicklung an der Comédie de Genève verantwortlich. Bis Ende 2025 war sie künstlerische Leiterin der Veranstaltung La Chaux-de-Fonds Kulturhauptstadt Schweiz 2027. Zusammen mit Claude Ratzé programmierte sie von 2022 bis 2024 die darstellenden Künste beim Festival La Bâtie in Genf. Zwischen 2014 und 2021 war sie Programmverantwortliche und Produktionsleiterin für die darstellenden Künste, Strassenkünste, Performance und Installationen beim Festival de la Cité in Lausanne. Aufgewachsen in Bern, absolvierte Simone Toendury ein Lizentiat in Politikwissenschaften an der Uni Lausanne. Ihr erstes Engagement in der Kultur hatte sie 1998 im Rahmen der Expo.02. 2007 war sie Mitgründerin von Tutu Production, ein Büro für die Produktion und Diffusion in den darstellenden Künsten, das u.a. Künstlerinnen und Künstler wie Cindy Van Acker, Marco Berrettini oder Massimo Furlan betreut.
Anne Bisang
Jurymitglied seit 2026
Anne Bisang (1961), aufgewachsen in Japan und im Libanon, kehrte für ihre Ausbildung an der Ecole Supérieure d'Art Dramatique (ESAD) nach Genf zurück. Nach dem Studium gründete sie die Compagnie du Revoir und zeichnete für viel beachtete Inszenierungen am Théâtre Saint Gervais, am Grütli und am Festival de la Bâtie verantwortlich. Sie macht sich für eine kollektive Kunst stark, die gesellschaftliche und politische Fragestellungen erforscht und zum Handeln anregt. 1999 wurde sie Direktorin der Comédie de Genève, die sie zwölf Jahre lang leitete. Dort baute sie die internationale Zusammenarbeit aus und erweiterte das Programm um zeitgenössische Autorinnen und Autoren. Dem Konzept des partizipativen Theaters verpflichtet, machte sie aus der Comédie einen Ort der Debatte und der Ideengewinnung. 2011 gründete sie annebisang productions, 2013 wurde sie künstlerische Leiterin des TPR – Centre neuchâtelois des arts vivants in La Chaux-de-Fonds, 2021 übernahm sie die Gesamtleitung. 2018 erhielt Anne Bisang einen Schweizer Theaterpreis.
Anne Davier
Jurymitglied seit 2026
Anne Davier (1968) hat Literaturwissenschaft, Erziehungswissenschaft sowie Tanz, Kunst und Performance in Besançon studiert. Ihr Werdegang zeichnet sich durch ein vielfältiges und transversales Engagement aus, das die Begleitung und Verbreitung künstlerischer Praktiken mit Kulturpolitik, Fachpublikationen über Tanz und Wissensvermittlung verbindet. 2000 trat sie der ADC – Association pour la Danse Contemporaine in Genf bei, wo sie während 25 Jahren mehrere Funktionen innehatte. Von 2017 bis Juli 2025 war Anne Davier künstlerische Leiterin und Geschäftsführerin der ADC. In dieser Zeit begleitete sie die Entwicklung des Pavillon ADC, einer Spielstätte für zeitgenössischen Tanz, und schlug die Choreografin Cindy Van Acker als assoziierte Künstlerin vor. Die Trägerin eines Schweizer Preises Darstellende Künste 2025 engagierte sich für die politische Entwicklung des Tanzes in der Schweiz, insbesondere durch die Zusammenarbeit mit Pro Helvetia und Reso – Tanznetzwerk Schweiz. Zudem verfasste sie gemeinsam mit Annie Suquet das Referenzwerk Zeitgenössischer Tanz in der Schweiz, 1960-2010, zu den Anfängen einer Geschichte, das 2016 erschien und aus dem Französischen ins Deutsche sowie auch ins Russische übersetzt wurde.
Sonja Eisl
Jurymitglied seit 2024
Sonja Eisl (1976) ist als Fachverantwortliche kulturelle Infrastruktur und Teilhabe für den Kanton Basel-Landschaft tätig. Sie wuchs in Baden (AG) auf und studierte an den Universitäten Bern und Zürich Theater-, Filmwissenschaft und Neueste Geschichte. Seit 20 Jahren engagiert sie sich im Kulturbereich mit Schwerpunkt Darstellende Künste. Von 2014 bis 2023 war sie Co-Leiterin am Kleintheater Luzern. Davor arbeitete Sonja Eisl in den Kulturhäusern Theater Tuchlaube Aarau als Dramaturgin und PR-Verantwortliche, war in der Leitung und der Programmgruppe Fabriktheater Rote Fabrik Zürich, im Leitungsteam im Tojo Theater in der Reitschule Bern und im Programmgremium der Dampfzentrale Bern engagiert sowie als freie Dramaturgin, Produktionsleiterin und Kulturjournalistin tätig.
Petra Fischer
Jurymitglied seit 2026
Petra Fischer (1963) ist Dramaturgin, Theaterpädagogin, Dozentin und Kuratorin. In Berlin geboren, studierte sie Theaterwissenschaft in Leipzig und arbeitete danach in Dresden, Berlin und Zürich. Von 2009 bis 2019 leitete sie das Junge Schauspielhaus Zürich. Seit 2020/21 ist sie Dramaturgin und Vermittlerin für junges Publikum am Theater Chur sowie seit 2020 künstlerische Leiterin des fanfaluca – Jugend Tanz Theater Festival Schweiz in Aarau. Petra Fischer ist unter anderem Vorstandsmitglied der ASSITEJ Schweiz, beim Theater Stadelhofen und im Zirkusquartier Zürich, sie gehört zudem seit 2022 der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste an. 2015 wurde sie von ASSITEJ Deutschland für ihr Engagement im Kinder- und Jugendtheater ausgezeichnet und 2024 erhielt sie einen Schweizer Preis Darstellende Künste. Als Gastdozentin ist Petra Fischer u.a. an der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) tätig. Sie wirkt als Jurymitglied und Kuratorin bei verschiedenen Festivals mit und begleitet freie Theatergruppen als Produktionsdramaturgin und Vermittlerin.
Johanna Hilari
Jurymitglied seit 2024
Johanna Hilari (1989) ist Dramaturgin und Tanzwissenschaftlerin. Sie wuchs zweisprachig (Deutsch und Spanisch) in La Paz/Bolivien auf und studierte Tanz- und Theaterwissenschaft in Bern und Paris. 2022 schloss sie ihre Dissertation am Institut für Theaterwissenschaft der Universität Bern ab, wo sie seit Ende 2024 als Postdoc im SNF geförderten Projekt Soziale Choreografien forscht. Seit 2013 arbeitet Johanna Hilari als freischaffende Dramaturgin im Bereich des zeitgenössischen Tanzes und der Performance, u.a. war sie Dramaturgin im vom Théâtre Sévelin 36 (Lausanne) initiierten Programm Danse & Dramaturgie CH. Gemeinsam mit Mirjam Hildbrand präsidiert sie die Jury Konzeptförderung der Stadt Zürich.
Andreas Klaeui
Jurymitglied seit 2026
Andreas Klaeui (1960) ist Theaterkritiker und Kulturjournalist. In Basel geboren, absolvierte er sein Studium der deutschen Philologie. Bis 2025 war er Rezensent und Redaktor beim Schweizer Radio SRF 2 Kultur, zuvor bis 2008 verantwortlicher Redaktor der Kulturzeitschrift du. Als Autor schrieb und schreibt er u.a. für die Basler Zeitung, Neue Zürcher Zeitung und NZZ am Sonntag sowie für die Fachpublikationen nachtkritik und Theater heute. Seit vielen Jahren berichtet er namentlich auch über Theater und Kultur im französischen Sprachraum. Andreas Klaeui ist Vorstandsmitglied der Schweizerischen Gesellschaft für Theaterkultur (SGTK) und war dort als Mitherausgeber an den MIMOS-Publikationen zum Schweizerischen Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring beteiligt. 2017 bis 2021 war Andreas Klaeui Juror beim Berliner Theatertreffen.
Gabriel Schenker
Jurymitglied seit 2022
Gabriel Schenker (1983) ist Tänzer und Dozent. Er wurde in Washington D.C. in den USA geboren, wuchs in Brasilien auf und lebt seit 2004 in Brüssel. Nach ersten Tanzerfahrungen in Rio de Janeiro studierte er an der P.A.R.T.S.-Schule in Brüssel, war Mitbegründer des Kollektivs Busy Rocks, mit dem er bis 2014 als Tänzer und Choreograf tourte. Als Tänzer arbeitete er mit Eleanor Bauer, Robin Jonsson, Doris Stelzer, Louise Vanneste, Alexandra Bachzetsis und insbesondere regelmässig bei Anne Teresa De Keersmaekers Gruppe Rosas und Thomas Hauert/ZOO. Von 2014 bis August 2025 war Gabriel Schenker administrativer Leiter des Bachelorstudiengangs in zeitgenössischem Tanz an der La Manufacture in Lausanne. Ausserdem hat er einen Master in Philosophie und Anthropologie.
Simon Waldvogel
Jurymitglied seit 2026
Simon Waldvogel (1987) ist Theaterregisseur und Performer. Er ist in Grabs geboren und wuchs in Lugano auf, wo er auch heute lebt und arbeitet. Nach seinem Abschluss an der internationalen Schule Teatro Arsenale und der Accademia dei Filodrammatici in Mailand arbeitete er als Performer mit verschiedenen Ensembles zusammen und nahm an zahlreichen Produktionen und internationalen Tourneen teil. Ab 2017 entwickelte er einen eigenen künstlerischen Weg, debütierte als Autor und Regisseur und gründete 2018 zusammen mit anderen lokalen Künstlerinnen und Künstlern das Collettivo Treppenwitz. Das Kollektiv fungiert als hybrider Raum zwischen Produktionszentrum und Theatergruppe, das Projekte realisiert, die Theater, Performance und Installation miteinander verweben. Simon Waldvogel ist Mitbegründer von TIB – Ticino Is Burning, das mit einem Schweizer Preis Darstellende Künste 2022 ausgezeichnet wurde. Seit 2024 ist er für das Schweizer Theatertreffen tätig, wo er das Forum junger Theaterschaffender leitet, und seit 2025 zudem Executive Assistant der künstlerischen Leitung des FIT Festival in Lugano im Rahmen eines dreijährigen Pilotprojekts zum kuratorischen Wandel, das von M2ACT und Pro Helvetia unterstützt wird.