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Kandidatur der «Kunst des Segelns unter Lateinersegeln» für das immaterielle Kulturerbe der UNESCO

Die Schweiz beteiligt sich an der multinationalen Kandidatur zur Aufnahme der «Kunst des Segelns unter Lateinersegeln» in die Repräsentative Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit der UNESCO. Sie schliesst sich mit den berühmten Genferseebarken fünf anderen Ländern (Kroatien, Frankreich, Griechenland, Spanien und Italien) an, mit dem Ziel, eine lebendige Segel- und Seeschifffahrtstradition zu erhalten. Das Kandidaturdossier wurde Ende März 2025 eingereicht und die UNESCO könnte bis Ende 2026 über die Aufnahme entscheiden.

Geteiltes Wissen, geteiltes Können
Das traditionelle Segeln mit Lateinersegeln (dreieckige Tücher) und «Al-Terzo»-Segeln (trapezförmige Tücher) beruht auf einer althergebrachten Methode, den Wind einzufangen. Barken mit Lateinersegeln haben Masten und Spieren. Das Segel kann sich um den Mast drehen und horizontal und vertikal schwenken. Im Unterschied zum Rahsegel kann mit dem Lateinersegel höher am Wind gesegelt werden. Segelenthusiasten sorgen in Vereinen dafür, dass dieses Können nicht verloren geht, und organisieren Fahrten auf dem Meer oder auf Seen, bei traditionellen Regatten und bei kulturellen Veranstaltungen. Die Kunst des Segelns mit Lateiner- und Al Terzo-Segeln geht über die blosse technische Fertigkeit hinaus; sie umfasst auch ein gemeinsames Vokabular mit verschiedenen lokalen Varianten und ist mit unterschiedlichen sozialen und kulturellen Praktiken verbunden.

Tradition auf dem Genfersee
Das Lateinersegel kam ab dem 13. Jahrhundert auf dem Genfersee zum Einsatz, wo es sich als ausgezeichnet geeignet für dessen Windverhältnisse erwies. Zunächst wurde es für militärische Zwecke genutzt. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurden auch zivile Schiffe damit ausgestattet. In der Zeit der Belle Époque dienten die Lateinersegler zum Transport von Baumaterialien, was ihre Blütezeit bedeutete, bevor in den 1920er-Jahren der Niedergang begann. 1958 gab es nur noch zwei von ihnen: die Neptune in Genf und die Vaudoise in Lausanne, die 1948 von den Pirates d’Ouchy gekauft wurde. 1976 wurde die Neptune restauriert und um die 2000er-Jahre wurden mehrere Rekonstruktionen gebaut, darunter die Demoiselle, die als Schulschiff dient. Heute wird diese Tradition dank des Engagements mehrerer Vereine in der Westschweiz, die sich in der Association des voiles latines lacustres (AVLL) zusammengeschlossen haben, bewahrt und weitergegeben. Die aktuell auf dem Genfersee verkehrenden Schiffe halten diese Art des Segelns am Leben, vor allem dank der Ausbildung neuer Seglerinnen und Segler und der Weitergabe des Wissens und Könnens an die jüngere Generation.

Internationale Zusammenarbeit
Die Kandidatur steht unter der Federführung von Kroatien und wird von Behördenvertreterinnen und -vertretern, traditionellen Segelvereinen, Museen und Fachleuten aus den sechs assoziierten Ländern getragen. Das Dossier formuliert Massnahmen zur Stärkung des Austauschs und der Kommunikation zwischen den Segelvereinen, aber auch zur Stärkung der Vermittlung und Ausbildung im traditionellen Segeln. Für die Schweiz waren das Bundesamt für Kultur BAK und die AVLL aktiv an der Vorbereitung der Kandidatur beteiligt. Die UNESCO könnte bis Ende 2026 über die Aufnahme entscheiden.

Bundesamt für Kultur

Julien Vuilleumier
Sektion Kultur und Gesellschaft
Hallwylstrasse 15
3003 Bern