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Normen

Normen sind verbindliche Vorgaben oder Regeln, die festlegen, wie bestimmte technische, gestalterische und funktionale Anforderungen in Bau und Architektur erfüllt werden müssen. Sie sorgen für Sicherheit, Qualität, Einheitlichkeit und Nachhaltigkeit bei Bauprojekten.

Zu sehen sind Holzbehälter, in denen drei Meter-Masse aus Metall aufbewahrt werden: die Kopie Nummer 2 des bis 1960 gültigen Urmeters in Paris, das schweizerische Längenurmass aus dem 19. Jahrhundert und der Komitee-Meter um 1800.

Die globalisierte, digitalisierte, mobile Gesellschaft funktioniert nicht ohne Normen. Auf nationalen und internationalen Ebenen werden Normen und Standards entwickelt, um in den verschiedenen Lebensbereichen einheitliche Mindestqualitätsstandards zu gewährleisten. Normen sind in der Baukultur, vermehrt noch im Denkmalbereich, ein kontroverses Thema. Baukultur ist ausserordentlich vielfältig und weist zahlreiche Eigenschaften auf, die nicht als «normiert» und «standardisiert» zu bezeichnen sind. Herausragende baukulturelle Qualität zeichnet sich oft dadurch aus, dass sie einzigartig ist und «ausserhalb der Norm» steht. Dennoch befinden sich sowohl Baukultur als Ganzes als auch das baukulturelle Erbe immer im Einflussbereich und Spannungsfeld von Normen und sind ihnen in zunehmendem Ausmass unterworfen.

Das Kompetenzzentrum für nationale und internationale Normen ist in der Schweiz die Schweizerische Normen-Vereinigung (SNV). Ihre Mitglieder erarbeiten und harmonisieren Normen aktiv und nehmen Einfluss in nationalen und internationalen Normengremien.

Der Schweizerische Ingenieur- und Architektenverein (SIA) erarbeitet die Schweizer Baunormen. Er tut dies in enger Zusammenarbeit mit der SNV und weiteren Institutionen. Dabei berücksichtigt er auch die Entwicklung der europäischen und internationalen Normierung (Normen des Europäischen Komitees für Normung CEN und Normen der Internationalen Organisation für Normung ISO).

SIA-Normen

Zu sehen ist in Nahaufnahme eine Wasserwaage mit der gefassten Libelle, die nicht ganz horizontal zur Messfläche ausgerichtet ist.

SIA-Normen sind nationale Regeln der Baukunde, aufgeteilt in drei Arten: technische Normen, Vertragsnormen und Verständigungsnormen. Sie werden durch die zuständigen Gremien des Schweizerischen Ingenieur- und Architektenvereins (SIA) erarbeitet und revidiert. Um baukulturelle Qualität im aktuellen Baugeschehen zu gewährleisten und zu fördern und um die historisch wertvolle Substanz von Baudenkmälern angemessen erhalten zu können, prüft das Bundesamt für Kultur (BAK) neue oder revidierte SIA-Normen im Rahmen der öffentlichen Vernehmlassungen.

Die SIA-Normen werden im schweizerischen Bau- und Planungswesen angewendet. Bei SIA-Normen handelt es sich aber nicht um Gesetze. Erst durch vertragliche Vereinbarungen werden die privaten Normen des SIA rechtsbindend gemäss Obligationenrecht.

Die Erfüllung von Normen trägt zur Sicherheit von Bauten und Anlagen, zu deren Funktionalität, Dauerhaftigkeit und Wirtschaftlichkeit und somit zu deren Qualität bei. Für baukulturelle Belange sind insbesondere die technischen Normen von Bedeutung. Sie bilden den anerkannten Stand der Technik im Bauwesen ab. SIA-Normen werden mehrheitlich für neu zu erstellende Bauwerke erarbeitet, sind aber auch auf Bestandsbauten anzuwenden. Dies ist nicht immer unproblematisch. Historische Bauten wurden teils in Perioden gebaut, als es noch keine oder mittlerweile nicht mehr gültige Normen gab. Heutige Baunormen bei Um- und Erweiterungsbauten, Sanierungen und Umnutzungen auf Bestandsbauten anzuwenden, stellt deshalb immer wieder eine Herausforderung dar.

Bundesamt für Kultur

Sektion Baukultur
Hallwylstr. 15
3003 Bern