UNESCO-Welterbe
Bestimmte Kultur- und Naturgüter sind von aussergewöhnlichem universellem Wert und müssen aufgrund ihrer Bedeutung für die gesamte Menschheit unter Schutz gestellt werden. Diese Güter werden auf die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen.

Die Liste beruht auf dem Übereinkommen zum Schutz des Kultur- und Naturerbes der Welt. Mit dessen Verabschiedung 1972 hat sich die UNESCO den Auftrag gegeben, die Kultur- und Naturgüter von aussergewöhnlichem universellem Wert für die kommenden Generationen zu erhalten. Mehr als 1200 Stätten gelten heute als Welterbe. Das Übereinkommen wurde von nahezu der gesamten Völkergemeinschaft ratifiziert. Die Schweiz war 1975 einer der ersten Unterzeichnerstaaten.









Welterbestätten in der Schweiz
13 Schweizer Stätten wurden auf die Welterbeliste aufgenommen, davon 9 Kulturerbestätten:
Aufnahme: 2016
17 ausgewählte Werke von Le Corbusier in sieben Ländern bilden dieses serielle transnationale Kulturgut und zeugen von der Erfindung einer neuen Architektursprache, die die Vergangenheit hinter sich liess. Entstanden sind sie im Zeitraum eines halben Jahrhunderts, während Le Corbusiers sogenannter «geduldiger Forschung». Der Regierungskomplex in Chandigarh (Indien), das Nationalmuseum für westliche Kunst in Tokio (Japan), das Haus von Doktor Curutchet in La Plata (Argentinien) oder auch die Unité d’habitation in Marseille spiegeln die neuen architektonischen Lösungen wider, nach denen die Moderne im 20. Jahrhundert gesucht hat, um den Bedürfnissen der Gesellschaft gerecht zu werden. Diese genialen Meisterwerke zeigen auch, wie die Architektur weltweit internationalisiert wurde.
Aufnahme: 2011
Diese serielle Welterbestätte besteht aus 111 Fundstellen mit Überresten von prähistorischen Pfahlbauten im Alpenraum. Die Bauten stammen aus der Zeit von 5000 bis 500 v. Chr. und liegen an See- oder Flussufern und in Moorgebieten. Nur wenige von ihnen wurden ausgegraben, die gefundenen Objekte bieten aber einen Einblick in das alltägliche Leben im alpinen Europa des Neolithikums und der Bronzezeit sowie Erkenntnisse über die Interaktion der Gemeinschaften mit ihrer Umwelt. 56 Siedlungen befinden sich in der Schweiz. Sie bilden eine einzigartige Gruppe von besonders wertvollen und sehr gut erhaltenen archäologischen Stätten und sind wichtige Quellen für die Erforschung der ersten Agrargesellschaften der Region.
Aufnahme: 2009
Die benachbarten Städte La Chaux-de-Fonds und Le Locle liegen in für die Landwirtschaft wenig geeigneten Gebieten im Schweizer Jura. Sie stehen für eine Siedlungsentwicklung, die von den Bedürfnissen einer rationellen Organisation der Uhrenindustrie zeugt. Die Städte wurden zu Beginn des 19. Jahrhunderts nach drei grossen Bränden voll und ganz für die Uhrenindustrie geplant und gebaut. Die Anordnung der Bauten in einem rechtwinklig angelegten Strassennetz mit Durchmischung von Wohn- und Werkstätten entspricht den Bedürfnissen einer Kultur des Uhrmacherhandwerks, die auf das 17. Jahrhundert zurückgeht und bis heute weiterbesteht. Die Welterbestätte ist ein bemerkenswertes Beispiel von gut erhaltenen, immer noch aktiven monoindustriell ausgerichteten Städten. Die Planung der beiden Städte hat sich dem Wandel von der handwerklichen Produktion mit Heimarbeit hin zu einer verarbeitenden Industrie mit den Fabriken des späten 19. und des 20. Jahrhunderts angepasst. Die Uhrenindustrie im Schweizer Jura diente Karl Marx in «Das Kapital» als Beispiel für seine Analyse der Arbeitsteilung, was ihn in Bezug auf La Chaux-de-Fonds zur Bildung des Begriffs «Fabrikstadt» veranlasste.
Aufnahme: 2008
Die Rhätische Bahn in der Albula- und Berninalandschaft umfasst zwei historische Eisenbahnstrecken, die die Schweizer Alpen über zwei Pässe durchqueren. Die 67 Kilometer lange Albulalinie im Norden der Nordwestpartie wurde 1904 eröffnet. Sie besteht aus einem beeindruckenden Ensemble von Bauwerken mit 42 Tunneln und gedeckten Galerien sowie 144 Viadukten und Brücken. Die Berninalinie umfasst auf 61 Kilometern 13 Tunnel und Galerien sowie 52 Viadukte und Brücken. Das Kulturgut zeugt von einer beispielhaften Nutzung der Eisenbahn zur Erschliessung der Zentralalpen im beginnenden 20. Jahrhundert. Die beiden Eisenbahnlinien hatten einen nachhaltigen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Einfluss auf das Leben in den Bergregionen. Sie bilden ein aussergewöhnliches technisches und bauliches Ensemble und stehen für architektonische und ingenieurtechnische Lösungen, die im Einklang stehen mit den Landschaften, die sie durchqueren.Aufnahme: 2007
Die engen, von Steinmauern gehaltenen Terrassen erstrecken sich von Schloss Chillon bei Montreux bis zu den östlichen Vororten von Lausanne im Herzen des Kantons Waadt über rund 30 Kilometer den Südhängen des Genfersees entlang und bedecken die unteren Steilhänge zwischen den Dörfern und dem See. Der Weinbau in diesem Gebiet begann bereits in römischer Zeit. Die heutigen Weinbauterrassen gehen jedoch auf das 11. Jahrhundert zurück, als Benediktiner- und Zisterzienserklöster die Region kontrollierten. Die Stätte ist ein herausragendes Beispiel für die jahrhundertelange Auseinandersetzung der Menschen mit ihrer Umwelt und führte zu einer Verbesserung der topografischen Gegebenheiten zur Produktion eines beliebten Weines, der stets von grosser Bedeutung für die lokale Wirtschaft war.Aufnahme: 2000
Die Stätte von Bellinzona besteht aus einem Ensemble an Befestigungsanlagen, die auf die Burg Castelgrande ausgerichtet sind. Diese steht auf einem Fels über dem Flusstal des Ticino. Ausgehend von dieser Burg schützte eine Reihe von Anlagen die ursprüngliche Stadt Bellinzona und das Ticino-Tal. Die zweite Burg (Montebello) ist ebenfalls in die Befestigungsanlagen integriert, die dritte (Sasso Corbaro) wurde isoliert auf einem Felsvorsprung südlich des Ensembles errichtet.Aufnahme: 1983
Die Stadt Bern wurde im 12. Jahrhundert auf einer Halbinsel in der Aare gegründet und hat sich nach einem aussergewöhnlich klaren städtebaulichen Konzept entwickelt. Die Gebäude der Altstadt stammen aus verschiedenen Epochen und umfassen insbesondere Arkaden aus dem 15. und Brunnen aus dem 16. Jahrhundert. Die mittelalterliche Stadt wurde im 18. Jahrhundert zu einem grossen Teil erneuert, behielt aber ihren ursprünglichen Charakter.
Aufnahme: 1983
Das in einem Bündner Tal gelegene Kloster Müstair ist typisch für die Karolingische Renaissance. Es enthält das wichtigste Ensemble von Wandmalereien in der Schweiz (entstanden um das Jahr 800) sowie Fresken und Stuckaturarbeiten aus der romanischen Zeit.
Aufnahme: 1983
Das Stift St. Gallen ist das perfekte Beispiel eines grossen karolingischen Klosters und gehörte seit dem 8. Jahrhundert bis zu seiner Säkularisierung 1805 zu den wichtigsten in Europa. Seine Bibliothek ist eine der reichsten und ältesten der Welt. Sie enthält wertvolle Manuskripte, darunter die älteste bekannte Architekturzeichnung auf Pergament. Von 1755 bis 1768 wurde der Stiftsbezirk im barocken Stil umgestaltet. Die Kathedrale und die Bibliothek sind die wichtigsten Bestandteile dieses aussergewöhnlichen Architekturensembles, das zwölf Jahrhunderte menschliche Tätigkeit widerspiegelt.
Für diese Kulturerbestätten ist das Bundesamt für Kultur zuständig.
Die Schweizer Naturerbestätten Jungfrau-Aletsch (2001), Monte San Giorgio (2003), Tektonikarena Sardona (2008), Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas (2021) liegen in der Zuständigkeit des Bundesamts für Umwelt.